Hatte ich da etwa den viel zu großen Rand, einen zweiten Teil von "Menschen, Tiere und der Frühling" zu versprechen? Gut war das nicht, denn nun sitze ich schon seit geraumer Zeit vor der weißen Seite und sinne nach Beginn und Ende, von der Mitte ganz zu schweigen und weiß verdammt noch eins nicht, wie ich das nun bewerkstelligen soll. Aber da es heißt "Versprochen ist versprochen und wird nicht gebrochen" -das zumindest würde meine Tochter jetzt sagen- und ich mir für dieses Jahr mehr vorbildliches Verhalten vorgenommen habe, muss es ja sein und also versuche ich, den Anschluss zu finden an das Grauen im Hallenser Zoo.
Ich könnte noch berichten von dem Verzicht auf Essen, trotz zweier, im Duett knurrender Mägen, die den anmutenden Raubkatzen vor ihrem Gehege sicherlich imponiert hätten, da sie dem Gebrüll der ihren in nichts nachstanden. Und das alles nur, weil wir uns nicht dem vor dem Imbiss eins A aufgestellt wartenden Mob anschließen wollten, das Kindsgebrüll und das der genervten Eltern zu ignorieren versuchend, denn es wäre mit Sicherheit schlicht beim Verusch geblieben, der in einem Nervenzusammenbruch gegipfelt wäre.
Vadder giftet Mudder an, weil er zu Gunsten der soeben mit Zicklein quälen beschaftigen Balges und seiner Zufriedenheit herstellenden Sättigung mittels Pommes und fadem Schnitzel auf sein Bier verzichten muss, da der staatsgespendete Klingelbeutel nur noch Essen für drei und die Bahnfahrt zurück in die Kate im Budget hat, Oma Horst stampft ihren ihm vom Schicksal zugemuteten Pantoffelheldenanhängsel verbal in den sandigen Boden, weil der wie immer ningelnd sich nicht entschieden kann, ob nun nur Fleisch oder eben auch die Pommes Frites aus dem ehemaligen Feindesland und seines Zeichens Herberge seiner Kriegsgefangenschaft -Belgien-, denn wo käme er hin, zuzugeben, dass ihm die Kartoffelstäbchen doch eigentlich ganz gut schmecken. Und zwischendrin immer die diktatorischen Befehlsrufe viel zu genervter Eltern, die es justament bereuen, "jemals Kinder in die Welt gesetzt zu haben".
Kaum eine Minute brauchte es zu entscheiden, das Essenfassen anderenorts zu erledigen, sprachen unseren Mägen -und uns ganz besonders- Mut zu und verließen den Hort der "es ist schönes Wetter und wir MÜSSEN ja etwas machen, ob wir wollen oder nicht" Meute.
In Richtung Ausgang schlenderten wir weniger, als dass wir zügig selbigen suchten, noch immer auf der Flucht vor Dschasssdn und Tschulieeeeeeeeen und schlimmer noch, deren Eltern, Großelter und älteren Geschwistern.
Sicher glaubten wir uns auf der Treppe vor dem Zoo, setzten uns, atmeten auf und zogen genüßlich an unseren Zigaretten. Gleich sollte auch die Bahn kommen, die uns endgültig vom Wahnsinn dieses Tummelplatzes allerlei dummer und aufdringlicher Menschen und Menschinnen befreit. Allerdings entschieden wir uns ganz schnell um, warteten dann doch auf die nächste Tram, denn die Mischung aus der Kelly Family und den Flodders schob sich drohend, brüllend und heulend an uns vorbei und fand an der Haltestelle ihr Zwischenziel. Verzweifelt und den Tränen nahe blieben wir also sitzen, betrachteten uns dann doch in viel zu dicke Menschen in viel zu engen Gewändern, den nächsten Schub schon jetzt die Faxen dicke habender Klein- und Großfamilien, die nun in Scharen das arme Getier in den Käfigen hinter uns heimzusuchen gedachten.
Die Zeit schlich und ein großes Aufatmen war, als unsere Bahn kam, die zu unserer Freude und Erleichterung eher leer blieb, uns nach Hause brachte, wo wir erschöpft in unser Bett fielen.
Mein Fazit an dieser Stelle lautet: gern nocheinmal Zoo in Halle, wenn aber, dann an einem verregneten Wochentag.
In diesem Sinne: Prost!
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen