Heute schon gekuckt? Die Kolumne um das Geschehen in Medien und Gesellschaft.
Sonntag, 14. Juli 2013
Kleine Laudation auf groben Unfug
Mir wird an dieser Stelle die hoheitsvolle Aufgabe zuteil, ein paar Worte an das hochgeschätzte, bestbezwirnte, ja, ich will sagen, hochwohlgeborene Hochzeitszeugenvolk zu richten. Nachdem ich schon auf zwei Geburtstagen und einer Beerdigung Reden gehalten habe, sehe ich mich bestens im Stande, dieser Aufgabe gerecht zu werden.
Ursprünglich sollte das nichts anderes als ein kleiner Rahmenprogrammpunkt werden, an dem ich mich von euch für meine Texte feiern lasse, doch als ich mich unlängst an den Schreibtisch setzte, um diesem Akt ein winziges Vorwort zu verpassen, erwischte ich mich auf Seite drei und musste feststellen: „Scheiße, viel zu lang!“ Die investierte Zeit wollte ich der Wertlosigkeit allerdings nicht anheim fallen lassen, also beschloss ich kurzer Hand, alles an ausgewählten Texten zu streichen, und an deren Stelle jenes Pamphlet zu verlesen, welches ich als Exkursion ins uns betreffende Thema bezeichnen möchte.
Hochzeit. Ein Fest, das zumindest ansatzweise kurzzeitig vom Aussterben bedroht war. Ein Akt der Verbindung zweier Menschen, der inzwischen wieder öfter zur Ritualisierung der Dualität gehört.
Auch, wenn ich eher ein Freund der anderen Methode bin, statt zu heiraten es erst einmal im Guten zu versuchen, und dabei auf Ring und Steuervergünstigung, auf Stress und Zettelwirtschaft zu verzichten, so bin ich doch freudig überrascht, dass diese alte Tradition sich in unseren Tagen wieder zunehmender Beliebtheit erfreut, auch, wenn ich mich ernsthaft frage, ob so etwas Sinn hat?!
Denn, seien wir doch mal ehrlich, wie viele Ehen halten in dieser unseren, schnelllebigen Zeit, in der wir beinahe täglich der Gefahr ausgesetzt sind, dass das jeweilige Gegenüber plötzlich merkt, dass alles so, wie es ist, nicht richtig ist. Oder sich plötzlich in wen anderes verliebt und zu Gunsten dieses kleinen Rausches der Blind- und Verworrenheit - frei nach Nietzsche - „das Verliebtsein ist der Zustand, wo der Mensch die Dinge am wenigsten so sieht, wie sie sind“- hingibt, oder sagen wir: ergibt! Aber das soll, zumindest vorerst, auf einem anderen Blatt stehen.
Heiraten nach Zahlen
387 447 Ehen wurden im Jahr 2012 laut statistischem Bundesamt geschlossen. Das sind 9631 mehr, als im Vorjahr. Seit Mitte der fünfziger Jahre allerdings, nimmt die Zahl der bundesweiten Vermählungen konstant ab.
1950 heirateten 750 452 Paare, das sind 11 Eheschließungen je 1000 Einwohner. Im Vergleich dazu 2012: 4.6 Hochzeiten je 1000 Einwohner, bzw. 363 005 weniger, als noch im frühen 1950.
Seit dem Jahr 2005 kann der interessierte Ehestatistiker aber einen leichten Anstieg beobachten, mit einer, für Hochzeitsfans, positiven Tendenz.
Erstaunlicher Weise nimmt, entgegengesetzt proportional zur steigenden Zahl der Vermählungen seit Mitte der 2000er, die Zahl der Scheidungen ab. So waren es 2005 noch 201 693 , während sich 2011 immerhin nur noch 187 640 verkrachten, gemeinsame Einrichtung demolierte und auf nimmer Wiedersehen trennten.
Das Phänomen der Oftheirat im Übrigen erfreut sich allerdings geringerer Beliebtheit. Wer es ein, zwei Mal versucht hat und dabei kläglich scheiterte, lässt es also lieber bleiben. Menschen, die man fragt fragt, wie die Hochzeit und war und die dann berechtigt antworten: „Och... wie immer!“ gibt es immer weniger.
Der Aufmerksame Zuhörer hat an dieser Stelle ganz bestimmt spitz gekriegt, dass ich hier eine Zahl aus dem Jahr 2011 genannt habe. Das liegt daran, dass das statistische Bundesamt auf seiner Seite www.destatis.de keine Angaben für das letzte Jahr macht. Woran das liegt, kann viele Gründe haben. Es liegen noch Trennungsjahre an, und Scheidungen werden nicht nach faktischer Auflösung statistisch erhoben, sondern nach dem Datum des Einreichens, die Jungs und Mädels vom Bundesamt bearbeiteten diese Statistik kurz vor den Sommerferien und als die Pausenglocke zum letzten Mal läutete, ließen sie alles stehen und liegen, schnappten sich ihre ausgefransten Ledertaschen, rannten in Richtung Ausgang zu den Fahrrädern und liegen nach rasanter Fahrt zum See an eben diesem bewegungslos und lassen sich von Ein Euro Jobbern Imbiss, Bier und Bettpfanne an die Lagerstadt bringen, oder aber, es war ein Ehepaar, das diese Erhebung betreute, welches sich aber kurz vor Ende in die Haare bekam, zerstritt und fortan getrennte Wege ging. Und da die beiden nicht miteinander reden, jeder vom Anderen denkt, er ginge noch zur Arbeit, bleiben dieser eben beide fern, weil ER inzwischen auf der Schwester seiner ehemals Anvertrauten herumrudelt, während SIE die depressive Krise auf den Malediven, umringt von Kurschatten verbringt, die ihr jeden Wunsch von den Lippen ablesen und Abends dann so richtig.... zum Essen ausführen. (ein Schelm, wer eben böses dachte!)
Was das alles mit dieser Versammlung hier zu tun hat? Eigentlich nichts. Ich wollte bloß mal, dem Anlass Grund zum Zweck einräumend, ein bisschen Klugzuscheißen und zeigen, wie gut ich Internet kann, schließlich bin ich hier der Schriftsteller, der zwar nicht gebeten wurde, sondern sich feist aufdrängte, nichts desto trotz habe ich das Podium und kann also so viel auf die Kacke hauen, wie ich will, sozusagen bis mich einer vom Mikrofon zerrt. Da ich es aber nicht soweit kommen lassen will, mäßige ich meinen Ton, ganz versprochen.
Wir alle, die wir Zeugen einer Trauung wurden, wissen von der Größe und der Intention dieser Zeremonie. Ich gebe zu, ich wusste es nicht. Natürlich weiß ich, wie dazu kommt, was man da so macht. Ernstes und gestresstes Vorbereitungshickhack, Familie und Freunde einladen, selektieren und verprellen, fadenscheinig begründen, warum wer nicht eingeladen ist, schließlich brauchen die dreizehn Feen das goldene Geschirr, nicht dass eines Tages die ausgeladene Alte im Wohnzimmer steht und dem Gatten die Männlichkeit nimmt und ihr statt dessen einen hässlichen Buckel, Falten und Altersflecken schenkt, noch ernsteres Beisammen-hocken in Standesamt und Christentempel, schnelles Tränentrocknen vor Völlerei und huldigendem Besäufnis, müdes nach Hause torkeln, und, sollte es noch gelingen, die Dame auf des Gatten Arm über die heimische Schwelle bugsieren ohne dabei das Essen und vor allem sämtliche im Übermaß konsumierten Alkoholika vor Anstrengung vorn und hinten zu verlieren (um es mal höflich auszudrücken). Dabei hat ER außerdem noch hochkonzentriert darauf zu achten, nicht die zarte Omme des frisch angetrauten Eheweibes gegen die Zarge zu kloppen, schließlich vögelt es sich einsam, wenn SIE bewusstlos auf den zerwühlten Laken liegt, wie ein alter Scheuerlappen. Obschon ich glaube, dass die meisten Paare in der Hochzeitsnacht heutzutage keinen Sex haben, weil er sich so dermaßen einen reingesoffen hat, dass es untenrum eher suboptimal zugeht. Näheres entnehmen sie bitte an dieser Stelle dem Biologie Buch Klassenstufe acht.
Was aber ist das wirklich, diese Hochzeit. Und was bedeutet es? Wie gesagt, ich wusste, abgesehen von eben diesem, aus Funk und Fernsehen allbekannten Prozedere nichts, also habe ich mich ein bisschen belesen und kann an dieser Stelle nur hoffen, dass ich jetzt nicht ein Umdenken aus Furcht auslöse. Andererseits ist es nun eh zu spät, die Ringe sitzen, der Suff macht sich bemerkbar und Umtausch gibt’s bei dieser Art Geschäft sowieso nicht.
„Hochzeitsfeier (auch Heirat, Trauung oder einfach nur Hochzeit genannt) beschreibt heute die Ausdrucksformen des Feierns anlässlich der Schließung einer Ehe. Das Wort Hochzeit leitet sich von Hohe Zeit (Festzeit) ab, das Wort Trauung vom gegenseitigen Vertrauen. „
- weiß Wikipedia zu berichten.
Soweit, so gut. Betrachten wir zunächst das Wort Ehe etwas genauer und beziehen uns hier erneut auf Wikipedia:
„Die Ehe (althochdeutsch für etwa Ewigkeit, Recht, Gesetz; rechtssprachlich-historisch Konnubium) ist eine durch Naturrecht, Gesellschaftsrecht und Religionslehren begründete und anerkannte, zumeist gesetzlich geregelte, gefestigte Form einer Verbindung zweier Menschen.“
Da kann einem doch schon ein bisschen schwindelig werden, oder? Da treffen sich zwei Menschen, denken, dass sie auf unbestimmte Zeit miteinander auskommen, ergeben sich der Tradition und werden mit solch einem Satz konfrontiert.
„Der hier allgemein vorgesehene gesetzliche Güterstand ist die Zugewinngemeinschaft; darüber hinausgehende Regelungen werden in einem Ehevertrag vereinbart. Die rechtsgültige Auflösung der Ehe ist die Scheidung.“
Schau an. Wenn man sich also weiterhin im Vorfeld kundig macht, wird von gesetzlichem Güterstand, Verträgen und Ende der Ehe gesprochen.
Ich will an dieser Stelle nicht den riesigen Artikel verlesen, soviel aber sei gesagt: Das Wort Liebe zu finden, muss man aufmerksam sein und weit nach unten scrollen. Da frage ich mich ja, woraus ist nochmal das Fundament einer solchen Verbindung?
Aber egal. Geschichtlicher Exkurs
Was ist, aus historischer Sicht, eine Ehe und warum konnte sich dieses Konstrukt bis heute durchsetzen? Letzteres zu beantworten, bedürfte es einer Redezeit, die die meine um Einiges überschreiten würde, weswegen ich auf die mir selbst gestellte Frage nur im privaten Antwort gebe, gern aber bereit bin, gegen einen nicht geringen, für den Einzelnen kaum erbringen Obolus, meine Recherchen zu überlassen.
Warum eine Ehe? Um es auf den Punkt zu bringen, und klar auszuformulieren – Kinder halten sich jetzt bitte die Ohren ganz feste zu! - : um zu zweit ins Bett gehen zu können, nicht etwa, des Ruheschlafes, denn eher seines großen Bruders, des Beischlafes wegen. Wenn also Hildegard den Johann anfassen wollte, untenrum, und umgekehrt, wenn beide dem Drang kaum noch widerstehen konnten, ihre Genitalien zum Zwecke der Fortpflanzung nur sekundär, für wenige Minuten zu fusionieren, mussten die beiden, und mit ihnen viele andere obendrein, sich einer Zustimmung gewiss sein, die ihnen die Kirche zu geben imstande war. So erklärt sich auch die traditionelle Hochzeitsnacht. Kaum das „ja, ich will!“ gehechelt, den Ring als Signum übergeben, fingerten sich Braut und Bräutigam an Hosenlatz und Unterrockverschnürung, zitternd und in heller Aufregung auf das nun folgend Eigentliche!
Mach wir uns also nichts vor. Es ging ursprünglich darum, es ordnungsgemäß krachen zu lassen ohne dabei gesellschaftlich geächtet zu werden.
Stichwort Ehering:
Der ist nämlich im Übrigen älter fast als die Braunkohle. „Bereits in der Antike war der Trauring bekannt. Sowohl die alten Ägypter als auch Römer trugen den Trauring am Ringfinger der linken Hand. Der Grund hierfür war die Vorstellung, dass eine Ader, die sog. Vena amoris (lat. für ‚Liebesader‘) direkt vom Herzen zu diesem Finger führe. Im antiken Rom trugen nur Frauen einen Ehe- oder Verlobungsring. Letzterer war meist aus Eisen und galt als Zeichen der Bindung, vor allem aber auch als „Empfangsbestätigung” für die Mitgift.[2] Das Beringen nur der Frau als Eigentum des Mannes hielt sich je nach Kulturkreis und Gesellschaftsschicht bis weit ins vergangene Jahrhundert. Es folgte dem Bibelspruch Die Frau sei dem Manne untertan und entsprach dem 6. und 9. der christlichen Gebote.[3] Eine deutliche Darstellung erfolgte im Westernfilm 12 Uhr Mittags (High Noon). „ Da soll nochmal einer sagen, Fernsehen verblödet!
Interessant fand ich auch folgenden Eintrag: „In Deutschland galt von 1875 bis 2008 die obligatorische Zivilehe, was heißt, dass nur verheiratete Paare zur Trauung in die Kirche durften. Wer ohne standesamtlich getraut zu sein, zur kirchlichen Trauung schritt, beging eine Ordnungswidrigkeit. Die Kirchen fordern die Ziviltrauung weiterhin zumindest für den Normalfall.“
Ordnungswidrigkeit! Habt ihr das begriffen, ihr Liebestollen kleinen Scheißer? Bevor ihr in die Kirche rennt, und eure Ewigkeit als nun bekennt, wird gefälligst hier vollbracht, was später dann der Pfarrer macht. Schließlich soll und darf dem bürokratischen deutschen Wesen nichts und niemand entgehen! Die „da oben“ wollen schon wissen, wann der Rolf die Martina ehelicht und fortan legal vögelt!
Ordnungswidrigkeit heißt im Übrigen auch das Zahlen eines Bußgeldes! Bußgeld. Kommt von Buße. Ein biblischer Begriff und wenn man das jetzt mal ausweitet... aber da sind wir schon wieder bei einer Randnotiz. Das Beigeld für die ausführliche und oben schon erwähnte Recherche wird also immer höher.
Nun könnte ich mich noch vergessen und ausschweifend über das referieren, was nach Beringung, Besäufnis und Begattung kommt und auf die Flitterwochen eingehen. Nur kurz und soviel dazu. Etymologisch stammt der Begriff Flitterwochen wahrscheinlich von einem Brauch ab, den ein gewisser Krünitz in seiner Ökonomischen Enzyklopädie wie folgt beschreibt. Diese Flitterwoche gäbe es weil ZITAT: „entweder, die jungen Weiber in der ersten Woche noch die mit Flittern besetzte hochzeitliche Haube und Bänder trugen, oder auch von einer noch in Nürnberg üblichen, und bereits erwähnten, Gewohnheit, da man bei einer Hochzeit vor das Brauthaus Flittern zu streuen pflegt“ zurückgeht.
Vor diesem Herren Krünitz drängelte sich der vorlaute Jacob Grimm, wenn ich mich recht entsinne der Bruder von Walt Disney, seines Zeichens Sprachwissenschaftler, der der Meinung war, das Wort leite sich von dem althochdeutschen filtarazan ab, das soviel heißt wie liebkosen und dem mittelhochdeutschen gevlitter (heimliches Lachen), bzw. vlittern (kichern, flüstern, kosen). Ein wunderbarer Beginn für ein Gedicht.
Kichern, flüstern, Kosen, lass fallen deine Hosen!
Ich schürz für dich die Röcke,
los bring mich jetzt zur Strecke.
Einen Bub im nächsten Jahr, darauf dann noch ein Mädel,
jetzt leg die Hände auf die Knie, ich zitter nicht, ich fädel,
das schon ein.
Denn wie sagte einst ein großer Mann
dem man wahrlich glauben kann:
Was dus heute kannst kannst besorgen,
mach dicke nicht erst morgen....
Aber gut. Genug des versauten Wortes, schließlich ist de Sache hier ernst.
Aus zuverlässiger Quelle, womit ich nicht die NSA meine, weiß ich, dass unsere beiden Ehefrischlinge mit dem eigenen Vehikel ins Blaue fahren wollen, schlafen im unbequemen Gefährt und Essen aus der Dose. Kurzum: verfrühte Heimkehr wegen Rücken- und Bauchschmerzen, der erste eheliche Streit, weil im Hotel auf Cran Canaria wäre das nicht passiert. Na gut, vielleicht schon, dann aber eben mit Meerblick und Bewirtung.
Was soll ich dazu noch sagen? Traditionell ist das nicht, aber zu viel der Tradition ist ja auch nicht gut. Wir wollen ja nicht, dass Frankjane eine Überdosis Tradition bekommen an der sie dann chronisch schwer erkranken und für den Rest ihres Lebens weiteren Blödsinn wie den hier zu feiernden anstellen, das wäre, was mich angeht, unerträglich und ich könnte mir nicht verzeihen, sie mit meinem kleinen Referat zu so etwas angespitzt zu haben.
Hochzeit ist, soviel ich weiß
für viele Menschen (reiner Scheiß) grober Unfug
doch immer wieder gibt es welche
die, trinken aus dem Ehe(kelche) Becher
und ist der Unfug erst begangen,
die Finger mit dem Schmuck behangen
besiegelt das vermeintlich Glück
gibts keinen einzgen Weg zurück
Die Scheidung noch, das wäre was
doch die macht ja bedingt nur Spaß
Teller fliegen, Vasen fallen
eingestehen muss man allen
die vorher offen skeptisch warnten
sich nicht in mit Glückwunschheuchel tarnten
dass alles so, wie es gepriesen
nicht wirklich war und kaum genießen.
Doch hoffen wir, die wir hier sitzen
dass Julfrankens sich nicht so erhitzen
immer und zu jeder Zeit
sich liebend söhnen, auch im Streit.
Drum wünschen wir an dieser Stelle
immerfort in Dunkel Helle
und Glück und was man sonst noch sagt
wenn zwei schon mal den Schritt gewagt!
Deswegen und in diesem Sinne SAGE ich jetzt, kraft meines mir verliehenen Amtes als offizieller Fraßfreigeber: Das Buffet ist eröffnet und steht nun als Völlereigabentisch der allerfeinsten Güte zur Verfügung. Schmecken lassen und PROST auf das Mutige Duo!
Donnerstag, 2. Februar 2012
Der offene Brief an die Opfer der Dummheit...
Liebe Jay*, liebe Claudia*, lieber Ronny*, liebe InternetUserGemeinde...
ich wende mich heute an euch, um mich in aller Form bei euch und all den Anderen, die ich in den letzten Monaten, ja, Jahren zutiefst beleidigt habe, zu entschuldigen. Allerdings bitte ich hiermit gleichsam um eines:
Vielleicht könnt ihr an dieser Stelle einmal, nur ein einziges Mal, euren Grips ein bisschen in Bewegung bringen, denn ich schriebe dies hier vergebens, würdet ihr, wie eigentlich gewohnt, nicht verstehen, was gemeint ist, wenn ihr nicht hinterfragt, wie es gemeint ist, wenn ihr den Sinn meines offenen Briefes als eine Torheit erkennt, die bedingungsloser Dummheit obliegt.
Seid ihr soweit? Dann fange ich an.
Gewiss seid ihr euch darüber im Klaren, dass, wenn ich um Vergebung bitte, ich mich nicht selbst entschuldigen kann, denn das könnt allein ihr, die ihr die Opfer meines verbalen Possenspiels geworden seid, und wohl weiterhin bleiben werdet. Ich kann also, wie gesagt, nur darum bitten, mich zu entschuldigen, damit ihr, so ihr gewillt seid, jene Schuld, die ich mir so töricht aufgeladen habe, von mir nehmt. Das sagt ja der Wortstamm dieses Begriffes: Ent – schulden.
Ich war eingangs allerdings so dreist, nicht darum zu bitten, sondern dies gleich einmal in eurem Namen zu tun, denn was ich mir da an Last auferlegt habe, indem ich hin und wieder mein loses Denk- und Fingerwerk nicht im Zaum zu halten imstande bin, ist nichts als die kleine Fluse, die gerade eben links an euch vorbeischwebt. Sie allein liegt -beinahe unbemerkt- auf meiner Schulter und ist mit einem seichten Wisch hinfortgefegt, was ich ja selbst erledigen kann und euch somit nicht bemühen muss, neben der Verarbeitung der Härte des Lebens und den anstrengenden dreieinhalb Minuten Denken pro Tag, auch noch Zuwendung für den armen Sünder zu finden, der seiner Gefühle manchmal einfach nicht Herr ist und obendrein am Lucky Luke Syndrom in abgeschwächter Form leidet: er nämlich schreibt schneller als sein Schatten und dann fehlen die objektiven Betrachtungsweisen in Multiplikation mit dem Durchschnitts- IQ des gewöhnlichen Netzwerkbenutzers. Heraus kommt dann eben jenes Schindluder, welches ich ab und an mit euch treibe.
Selten, aber eher gar nie nicht, schleicht sich selbst in mir so ein Hauch schlechten Gewissens hoch, wenn ich zum Beispiel einmal mehr um etwas Niveau bitte, oder den mangelnden Intellekt anklage, wenn ich mich auf das türschwellenhohe Niveau manch eines Benutzers herablasse und selbiges sogar untertreffe, kommentierend provoziere und dann zu lesen bekomme, dass doch Facebook dafür da sei, sein Leben und jeden kleinen und kleinsten Furz dessen mit der ganzen weiten Welt zu teilen.
Nein, liebe Freunde und NochFreunde. Ich glaube nicht, dass der Sinn einer solchen Kommunity darin besteht, die Insassen der Freundeslisten damit zu belästigen, wann das kleine niedliche Töchterchen Bäuerchen gemacht, der Mutti auf den Schoß gekotzt und Vati auf den Arm gepisst hat. Auch ist es doch nicht im Sinne des Erfinders, jede Handlung des vierundzwanzig Stunden dauernden Tages im Zehn-Minuten-Takt darzulegen.
Claudia schrieb um 14.23 Uhr: soooo... i geh ma uff Klo (ein Lob der deutschen Sprache!)
Claudia schrieb um 14.34 Uhr: man man... i hab dünnsch... hab vier Lagen Klopapier gebraucht...
Claudia schrieb um 14.52 Uhr alter... mein Macker hat mich grad gerammelt wie ein Karniggl. das war geil
Claudia schrieb um 15.04 Uhr: mein Typ is jetzt saufen gegangen... was mach ichn jetz?
So könnte ich Stunden lang weitermachen und bin trotzdem noch bei den harmlosen Dingen der Netzwerkpostwelt. Ich kann nicht mehr und manchmal eben, da platzt es förmlich aus mir heraus. Dann ist die Rückhalt- und Denkmit- Funktion außer Kraft und rasch sind ein paar Worte formuliert, die dann die zarten Wesen der Userschaft so dermaßen in Mitleidenschaft zu ziehen scheinen, dass sie tagelang zu Hause sitzen, depressiv ihre Meldungen selektieren und nur das Nötigste posten. Schön wärs! Aber wenn selbst wenn... auch das Nötigste wäre noch zu viel, viel zu viel der Information.
So also, meine Damen und Herren, Jungs und Mädels der fakepunktschen Opferschaft: ihr habt zwei Optionen (das heißt Möglichkeiten): löscht den Störenfried aus eurer Freundesliste, denn euch zu löschen bin ich zu faul. Oder aber reißt euch „bissl“ am Zippel mit eurer Informationssucht, denn wenn ihr weitermacht, mache auch ich weiter.
Ich will euch ja nichts Böses. Ich nehme eben einfach nur nicht hin, dass langweiliges in den öffentlichen Raum Gerotze die Plattform zumüllt und der Unrat förmlich überquillt. Seid doch mal realistisch und versucht, an der Anzahl der Kommentatoren nachzuvollziehen, wie viele eurer "Freunde" die hinterlassenen Spuckefäden interessieren! Sind es vier Prozent, sind viele. Ich schweige eben nicht, ich sage, was zu sagen ist.
Böse Zungen könnten jetzt, wie es schon angedeutet wurde, empfehlen, Netzwerke alá Facebook nicht zu nutzen, wenn mir das auf die Eier geht, aber da bin ich wieder beim Eingangstext: versucht mal, mitzudenken und überlegt, weswegen ich da angemeldet bin... na ... kommt ihr drauf?
Richtig, der Kommunikation mit anderen Menschen wegen. Aber ich setze einfach ein gewisses Maß an Intellekt und Niveau voraus, und bei mehr als zwei Dritteln der "Freunde" aus meiner Liste ist das der Fall, viele überwiegen gar den meinen, der ja ohnehin recht einfach ist. Ihr seht, ich weiß sogar, dass ich nicht das Maß der Dinge bin, im Gegenteil, mein Licht eher seicht funzeln lasse, aber ein Frosch, so sagt ein altes Sprichwort, der im Brunnen sitzt, beurteilt die Welt nun einmal am Brunnenrand...
Und wenn ihr es schon nicht lassen könnt, das will ich abschließend noch sagen, dann nutzt doch wenigsten die Rechtschreibfunktion eures Browsers... denn die ist dafür da, Fehler anzuzeigen und zu korrigieren.
Denn wenn ich sehe, was heutzutage deutsche Rechtschreibung und deutsche Sprache ist dann... aber das ist schon wieder ein anderes, Kolumnen füllendes Thema.
Prost also und... nix für ungut *grins* *
* - Namen sind frei erfunden und wurden zum Schutze der gemeinten Personen geändert. Eventuelle Übereinstimmungen und/ oder Ähnlichkeiten sind rein zufällig und vom Verfasser nicht beabsichtigt...
* dieses *grins* ist eine rein ironische Endbemerkung und sagt nicht aus, dass der Verfasser sich solcherlei Kürzel bedient...
ich wende mich heute an euch, um mich in aller Form bei euch und all den Anderen, die ich in den letzten Monaten, ja, Jahren zutiefst beleidigt habe, zu entschuldigen. Allerdings bitte ich hiermit gleichsam um eines:
Vielleicht könnt ihr an dieser Stelle einmal, nur ein einziges Mal, euren Grips ein bisschen in Bewegung bringen, denn ich schriebe dies hier vergebens, würdet ihr, wie eigentlich gewohnt, nicht verstehen, was gemeint ist, wenn ihr nicht hinterfragt, wie es gemeint ist, wenn ihr den Sinn meines offenen Briefes als eine Torheit erkennt, die bedingungsloser Dummheit obliegt.
Seid ihr soweit? Dann fange ich an.
Gewiss seid ihr euch darüber im Klaren, dass, wenn ich um Vergebung bitte, ich mich nicht selbst entschuldigen kann, denn das könnt allein ihr, die ihr die Opfer meines verbalen Possenspiels geworden seid, und wohl weiterhin bleiben werdet. Ich kann also, wie gesagt, nur darum bitten, mich zu entschuldigen, damit ihr, so ihr gewillt seid, jene Schuld, die ich mir so töricht aufgeladen habe, von mir nehmt. Das sagt ja der Wortstamm dieses Begriffes: Ent – schulden.
Ich war eingangs allerdings so dreist, nicht darum zu bitten, sondern dies gleich einmal in eurem Namen zu tun, denn was ich mir da an Last auferlegt habe, indem ich hin und wieder mein loses Denk- und Fingerwerk nicht im Zaum zu halten imstande bin, ist nichts als die kleine Fluse, die gerade eben links an euch vorbeischwebt. Sie allein liegt -beinahe unbemerkt- auf meiner Schulter und ist mit einem seichten Wisch hinfortgefegt, was ich ja selbst erledigen kann und euch somit nicht bemühen muss, neben der Verarbeitung der Härte des Lebens und den anstrengenden dreieinhalb Minuten Denken pro Tag, auch noch Zuwendung für den armen Sünder zu finden, der seiner Gefühle manchmal einfach nicht Herr ist und obendrein am Lucky Luke Syndrom in abgeschwächter Form leidet: er nämlich schreibt schneller als sein Schatten und dann fehlen die objektiven Betrachtungsweisen in Multiplikation mit dem Durchschnitts- IQ des gewöhnlichen Netzwerkbenutzers. Heraus kommt dann eben jenes Schindluder, welches ich ab und an mit euch treibe.
Selten, aber eher gar nie nicht, schleicht sich selbst in mir so ein Hauch schlechten Gewissens hoch, wenn ich zum Beispiel einmal mehr um etwas Niveau bitte, oder den mangelnden Intellekt anklage, wenn ich mich auf das türschwellenhohe Niveau manch eines Benutzers herablasse und selbiges sogar untertreffe, kommentierend provoziere und dann zu lesen bekomme, dass doch Facebook dafür da sei, sein Leben und jeden kleinen und kleinsten Furz dessen mit der ganzen weiten Welt zu teilen.
Nein, liebe Freunde und NochFreunde. Ich glaube nicht, dass der Sinn einer solchen Kommunity darin besteht, die Insassen der Freundeslisten damit zu belästigen, wann das kleine niedliche Töchterchen Bäuerchen gemacht, der Mutti auf den Schoß gekotzt und Vati auf den Arm gepisst hat. Auch ist es doch nicht im Sinne des Erfinders, jede Handlung des vierundzwanzig Stunden dauernden Tages im Zehn-Minuten-Takt darzulegen.
Claudia schrieb um 14.23 Uhr: soooo... i geh ma uff Klo (ein Lob der deutschen Sprache!)
Claudia schrieb um 14.34 Uhr: man man... i hab dünnsch... hab vier Lagen Klopapier gebraucht...
Claudia schrieb um 14.52 Uhr alter... mein Macker hat mich grad gerammelt wie ein Karniggl. das war geil
Claudia schrieb um 15.04 Uhr: mein Typ is jetzt saufen gegangen... was mach ichn jetz?
So könnte ich Stunden lang weitermachen und bin trotzdem noch bei den harmlosen Dingen der Netzwerkpostwelt. Ich kann nicht mehr und manchmal eben, da platzt es förmlich aus mir heraus. Dann ist die Rückhalt- und Denkmit- Funktion außer Kraft und rasch sind ein paar Worte formuliert, die dann die zarten Wesen der Userschaft so dermaßen in Mitleidenschaft zu ziehen scheinen, dass sie tagelang zu Hause sitzen, depressiv ihre Meldungen selektieren und nur das Nötigste posten. Schön wärs! Aber wenn selbst wenn... auch das Nötigste wäre noch zu viel, viel zu viel der Information.
So also, meine Damen und Herren, Jungs und Mädels der fakepunktschen Opferschaft: ihr habt zwei Optionen (das heißt Möglichkeiten): löscht den Störenfried aus eurer Freundesliste, denn euch zu löschen bin ich zu faul. Oder aber reißt euch „bissl“ am Zippel mit eurer Informationssucht, denn wenn ihr weitermacht, mache auch ich weiter.
Ich will euch ja nichts Böses. Ich nehme eben einfach nur nicht hin, dass langweiliges in den öffentlichen Raum Gerotze die Plattform zumüllt und der Unrat förmlich überquillt. Seid doch mal realistisch und versucht, an der Anzahl der Kommentatoren nachzuvollziehen, wie viele eurer "Freunde" die hinterlassenen Spuckefäden interessieren! Sind es vier Prozent, sind viele. Ich schweige eben nicht, ich sage, was zu sagen ist.
Böse Zungen könnten jetzt, wie es schon angedeutet wurde, empfehlen, Netzwerke alá Facebook nicht zu nutzen, wenn mir das auf die Eier geht, aber da bin ich wieder beim Eingangstext: versucht mal, mitzudenken und überlegt, weswegen ich da angemeldet bin... na ... kommt ihr drauf?
Richtig, der Kommunikation mit anderen Menschen wegen. Aber ich setze einfach ein gewisses Maß an Intellekt und Niveau voraus, und bei mehr als zwei Dritteln der "Freunde" aus meiner Liste ist das der Fall, viele überwiegen gar den meinen, der ja ohnehin recht einfach ist. Ihr seht, ich weiß sogar, dass ich nicht das Maß der Dinge bin, im Gegenteil, mein Licht eher seicht funzeln lasse, aber ein Frosch, so sagt ein altes Sprichwort, der im Brunnen sitzt, beurteilt die Welt nun einmal am Brunnenrand...
Und wenn ihr es schon nicht lassen könnt, das will ich abschließend noch sagen, dann nutzt doch wenigsten die Rechtschreibfunktion eures Browsers... denn die ist dafür da, Fehler anzuzeigen und zu korrigieren.
Denn wenn ich sehe, was heutzutage deutsche Rechtschreibung und deutsche Sprache ist dann... aber das ist schon wieder ein anderes, Kolumnen füllendes Thema.
Prost also und... nix für ungut *grins* *
* - Namen sind frei erfunden und wurden zum Schutze der gemeinten Personen geändert. Eventuelle Übereinstimmungen und/ oder Ähnlichkeiten sind rein zufällig und vom Verfasser nicht beabsichtigt...
* dieses *grins* ist eine rein ironische Endbemerkung und sagt nicht aus, dass der Verfasser sich solcherlei Kürzel bedient...
Freitag, 6. Januar 2012
Der Wulff im Schafspelz
Nun zieht sich das Thema Christian Wulff schon seit Wochen, hält beständig ein Orkantief nach dem anderen aus, überdauert Euro- und Bankenkrise, steht hartnäckig vor den Türen der Republik und klopft und trommelt so laut um Einlass bittend, dass man, egal wie man sich wehrt, nicht drumrum kommt, sich diesbezüglich zu äußern.
Einige haben schon genug dazu gesagt und verweigern inzwischen jeglichen Kommentar, wie etwa unser Herr Seehofer. Aber der hat ja nun auch alle Hände voll zu tun, die verbogene Stange eines Ex- Verteidigungsministers nicht nur zu halten, sondern auch irgendwie wieder gerade zu biegen, schließlich meint er, dass Herr Guttenplag "sein Schlüssel zum Machterhalt" sei. Aber das ist ja hier nicht das Thema.
Alle Welt äußert sich zum Bundespräsidenten und ehrlich frage ich: Bin ich denn der einzige, dem das tierisch auf die Nüsse geht?
Ein Niedersächsischer Ministerpräsident pumpt sich Kohle um sein hochverehrtes Hinterteil ins luxuriöse Warme zu bringen, macht Gebrauch von günstigen Zinsen und lässt sich eine Bude in irgendeine Pampa bauen, die der gemeine Malocher wohl nie zu Gesicht bekommt.
Nun wächst sich ein Skandal aus der Sachlage, das diskutiert wird als gäbe es auf dieser großen, weiten Welt keine Probleme.
Tragisch, wenn man feststellen muss, dass Politiker nicht die Wahrheit sagen oder selbe nur in Etappen in die Öffentlichkeit bringen, wo wir doch alle wissen wollen, wer wann was macht. Tragisch auch, dass dann Entschuldigungen mit mangelndem Wissen und erklärter Lernbereitschaft untermauert werden. Tragisch ebenso, dass ausgerechnet dem Bundespräsidenten so etwas "passiert".
Anfangs musste ich noch lachen, doch inzwischen bin ich schlicht wütend ob der geifernden Meute, die den Mann so vehement in der Luft zerreißen will, Rücktritt fordert und noch mehr Erklärung, noch mehr Entschuldigung, als sei er bloß ein Wulff im sonst so unbefleckten Schafspelz.
Ist denn der Rest der Bagage erzengelhaft brav und so unbescholten, wie es selbst Mutter Theresa nicht war? Sind denn all die anderen des bundesstaatlichen Hofstabes justizielle Nullnummern, frei von Schuld und ausgemachte Saubermänner (und natürlich auch Sauberfrauen)? Mit Nichten. Bei dieser Steinigung müssten sich alle auf der Stelle umdrehen und nach Hause wetzen, an Muttis hängende Brust und Lied klagen, und sühnen, denn den ersten Stein darf bekanntlich werfen, wer frei ist, von Schuld. Ergo werfe niemand einen Stein und somit könnte der Herr Wulff jauchzend von einem Bein aufs andre hüpfen, dabei "Jehova, Jehova" feixen und nicht der kleinste Kiesel dürfte seiner Lederhaut ein Wündchen fügen!
Das aber schient in diesen Tagen egal. Korruption und Marionettenhaftigkeit sind keine Geheimnisse in der politischen Landschaft. Fragt man die Bürger, egal in welchem Land, ob sie ihren Vertretern vertrauen, geht es darum, nie zu lügen und tatsächlich nur und ausschließlich im Sinne der eigentlichen Aufgabe zu handeln, so bekommt man ein lächelndes "nein" entgegen gehaucht. Welcher Politiker hat noch nie gelogen? Welcher Politiker hat noch nie im egoistischen Sinne gehandelt?
Na keiner, und hier ist der Knackpunkt. Ich frage mich, warum ganz Deutschland sich ob dessen brüskiert, obschon es eine offenliegende Tatsache ist, dass der zukünftige Ex- Bundespräsident nichts anderes getan hat, als das, was alle Politiker machen: Mit der Machtfeile die eigenen Taschen füllen, dabei lügen dass sich die Balken biegen und Brot und Spiele preisen, damits keiner merkt.
Das soll keine Entschuldigung für Christian Wulff sein, ich will auch nicht relativieren oder reduzieren, ich sage schlicht: wenn Steinigung, dann alle steinigen! Wenn aus dem Amt jagen, dann alle aus dem Amt jagen! Wenn verurteilen, dann alle verurteilen!!!
In diesem Sinne: Prost!
Einige haben schon genug dazu gesagt und verweigern inzwischen jeglichen Kommentar, wie etwa unser Herr Seehofer. Aber der hat ja nun auch alle Hände voll zu tun, die verbogene Stange eines Ex- Verteidigungsministers nicht nur zu halten, sondern auch irgendwie wieder gerade zu biegen, schließlich meint er, dass Herr Guttenplag "sein Schlüssel zum Machterhalt" sei. Aber das ist ja hier nicht das Thema.
Alle Welt äußert sich zum Bundespräsidenten und ehrlich frage ich: Bin ich denn der einzige, dem das tierisch auf die Nüsse geht?
Ein Niedersächsischer Ministerpräsident pumpt sich Kohle um sein hochverehrtes Hinterteil ins luxuriöse Warme zu bringen, macht Gebrauch von günstigen Zinsen und lässt sich eine Bude in irgendeine Pampa bauen, die der gemeine Malocher wohl nie zu Gesicht bekommt.
Nun wächst sich ein Skandal aus der Sachlage, das diskutiert wird als gäbe es auf dieser großen, weiten Welt keine Probleme.
Tragisch, wenn man feststellen muss, dass Politiker nicht die Wahrheit sagen oder selbe nur in Etappen in die Öffentlichkeit bringen, wo wir doch alle wissen wollen, wer wann was macht. Tragisch auch, dass dann Entschuldigungen mit mangelndem Wissen und erklärter Lernbereitschaft untermauert werden. Tragisch ebenso, dass ausgerechnet dem Bundespräsidenten so etwas "passiert".
Anfangs musste ich noch lachen, doch inzwischen bin ich schlicht wütend ob der geifernden Meute, die den Mann so vehement in der Luft zerreißen will, Rücktritt fordert und noch mehr Erklärung, noch mehr Entschuldigung, als sei er bloß ein Wulff im sonst so unbefleckten Schafspelz.
Ist denn der Rest der Bagage erzengelhaft brav und so unbescholten, wie es selbst Mutter Theresa nicht war? Sind denn all die anderen des bundesstaatlichen Hofstabes justizielle Nullnummern, frei von Schuld und ausgemachte Saubermänner (und natürlich auch Sauberfrauen)? Mit Nichten. Bei dieser Steinigung müssten sich alle auf der Stelle umdrehen und nach Hause wetzen, an Muttis hängende Brust und Lied klagen, und sühnen, denn den ersten Stein darf bekanntlich werfen, wer frei ist, von Schuld. Ergo werfe niemand einen Stein und somit könnte der Herr Wulff jauchzend von einem Bein aufs andre hüpfen, dabei "Jehova, Jehova" feixen und nicht der kleinste Kiesel dürfte seiner Lederhaut ein Wündchen fügen!
Das aber schient in diesen Tagen egal. Korruption und Marionettenhaftigkeit sind keine Geheimnisse in der politischen Landschaft. Fragt man die Bürger, egal in welchem Land, ob sie ihren Vertretern vertrauen, geht es darum, nie zu lügen und tatsächlich nur und ausschließlich im Sinne der eigentlichen Aufgabe zu handeln, so bekommt man ein lächelndes "nein" entgegen gehaucht. Welcher Politiker hat noch nie gelogen? Welcher Politiker hat noch nie im egoistischen Sinne gehandelt?
Na keiner, und hier ist der Knackpunkt. Ich frage mich, warum ganz Deutschland sich ob dessen brüskiert, obschon es eine offenliegende Tatsache ist, dass der zukünftige Ex- Bundespräsident nichts anderes getan hat, als das, was alle Politiker machen: Mit der Machtfeile die eigenen Taschen füllen, dabei lügen dass sich die Balken biegen und Brot und Spiele preisen, damits keiner merkt.
Das soll keine Entschuldigung für Christian Wulff sein, ich will auch nicht relativieren oder reduzieren, ich sage schlicht: wenn Steinigung, dann alle steinigen! Wenn aus dem Amt jagen, dann alle aus dem Amt jagen! Wenn verurteilen, dann alle verurteilen!!!
In diesem Sinne: Prost!
Mittwoch, 4. Januar 2012
Wenn der Manne mit dem Weib -Galgentrips in Einkaufshöllen
Dresden, Prager Straße. Ich sitze bei Starbucks, warte auf meinen Kaffee und japse nach Luft. Nach gefühlten acht Stunden Kauf- Expedition ins Reich der Düfte und Gerüche, dicht gedrängt von duftenden und riechenden Vertretern des Homo Sapiens dreht sich nicht nur der nasal empfangende Sinn um sich selbst, sondern auch Kopf und Magen. Die Ohren sausen noch.
Was gibt es Schlimmeres für einen Mann, als das Versprechen abzugeben, mit der Holden Einkaufen zu gehen? Die Tatsache, dieses Versprechen einlösen zu müssen!
Abgesehen von den Tagen zwischen dem hochheilig abgegeben Versprechen und dem Zeitpunkt der Pflichterfüllung. Ängstlich zitternd und der Panikattacke nahe immer dann, wenn die werte Dame des Begehrs lächelnd den Raum betritt, man(n) mit ehrfürchtigem, aber unauffälligen Blick auf die Uhr im Bruchteil von Sekunden die Möglichkeiten ausrechnet, ob jetzt Tag X gekommen sein könnte, indem sie zum Sturm auf die Passagen bläst, lebt es sich wie auf Kohlen. Jedes freundlich gesprochene Wort, jeder liebreizende Blick in den Vor- und Nachmittagsstunden kann den Gau bedeuten und einerseits wartet man(n) darauf, dass es nun endlich passiert, damit die Zeit des Siechtums endlich ein Ende hat, andererseits jedoch schickt er Stoßgebete in alle Himmel, dass nicht ausgerechnet heute der Trip zum Schafott dem unterdrückten Frohsinn des Seins ein jähes Ende bereitet.
Mein Blick aus dem großen Panoramafenster des amerikanischen Kaffeehauses offeriert erinnernd die Vergangenen "Stunden". Dort prangt in großen, grünen Lettern der Name der Vorhölle: Douglas! Und als sei dem nicht genug, direkt nebenan, so, dass der männliche Delinquent seiner gerechten Strafe für alle Sünden die er je in seinem jämmerlichen Leben begangen hat, auch tatsächlich Buße tun kann: Lush!
Schon von weitem wird hier das Geruchserlebnis zur bösen Vorahnung, was gleich zu erwarten ist.
Wieder und wieder atme ich tief ein (auch, wenn es unschön ist) und wieder aus, um das Geruchschaos endlich aus meiner Nase zu bekommen.
Ich kann nicht sagen, dass ich mich nicht an warnende Erzählungen von Freunden, an Unkenrufe aus Funk und Fernsehen erinnerte, noch während ich meine Zusage erteilte, mich dem Einkaufswahnsinn anheim zu geben, doch es war zu spät, der Satz war gesprochen gleich einem Urteil, schlimmste Folter versprechend. Richter und Henker in einer Person.
Und so also kam der Tag, an dem ich reuen sollte, mit dem heutigen Erwachen. Strahlend und voller Vorfreude wurde ich von der Gattin in spe geweckt, und noch vor Kaffee und Morgenzigarette auf das Schlimm des heutigen Tages vorbereitet. Das "guten Morgen" des Satzes ging mit der Drohung unter, die mir verhieß: heute also ist es soweit. Wir werden in der Dresdener Innenstadt die Zeit unseres Zwangsaufenthaltes, zwischen Zug von Görlitz und Zug nach Leipzig nutzen, Gutscheine und Einkaufswut gegen Sachwert und Erschöpfung eintauschen.
Der Galgenfrist letzte Minuten sind also angebrochen. Das Frühstück mein Gnadenbrot und schweres Sitzen im Zug. Täusche ich mich, oder spricht die höhnische Stimme, die den Dresdner Hauptbahnhof ankündigt mit leichtem Echo und... war da nicht ein freches Lachen? Und wieso scheint die Sonne an diesem eigentlich angekündigten grau verregneten Wintertag so ironisch auf mich herab?
Wir gehen durch die Fußgängerzone. Sie hält meine Hand, wie der Pfaffe, der den letzten Weg bereitet. Ich warte auf die Frage: "Hast du noch etwas zu sagen?"
Da vorn. Noch fünfzig Meter, dort wartet die Guillotine. Zunächst erkenne ich nur den markanten Schriftzug und die diabolische Farbe. Zwanzig Meter. "Douglas" hämmert sich in meine Augen, meinen Kopf, der Fluchtinstinkt macht sich bemerkbar, aber ein Zurück gibt es nicht. Zehn Meter, der Hals schnürt sich allmählich zu, der Mund wird zunehmend trockener. Fünf Meter, alle Sinne fahren sich auf die nötigsten lebenserhaltenden Funktionen herunter. Drei Meter, Tunnelblick stellt sich ein.
Die Schwelle, das Grauen... oh Gevatter Tod, nimm schnell die Hand und bring mich fort!
Wir betreten also den Tempel des Grauens und ich stelle fest: Zwei Etagen. Der Kapitulation nahe denke ich "auch das noch" und füge mich endgültig meinem Schicksal. Mit einer halben Stunde habe ich gerechnet. Das verdoppelt sich nun, denn von zwei Etagen wusste ich nichts.
Doch zu meiner Überraschung ignoriert die Gute jene erste Etage und steuert, offensichtlich ein Ziel vor Augen, direkt die Rolltreppe in Richtung Unterwelt an. Ein Geruchsexplosion erwartet mich die, je tiefer uns die Fahrstufen in den Orkus bringen, immer intensiver wird. Tausend und Abertausende kleiner Fläschchen und Schächtelchen, Ampullen und Röhrchen zieren die Regale, so bunt, wie eine Spielzeugabteilung für Kinder bis sechs Jahre und so voll, als braucht halb Dresden ausgerechnet heute neues Parfum.
Dumm dreinschauend wie wohl jeder pantoffelheldenhafte Liebhaber folge ich der Wolke von fester Entschlossenheit, hier nicht mit leeren Händen raus zu gehen. Meine jetzt schon müden Augen bahnen sich einen taktischen Weg durch das Chaos und noch bevor ich feststellen soll, dass sie das zu Unnütz tun, weil Frau eher den Gesetzen des Instinktes, als denen der Taktik folgt, entdecke ich Interessantes im Gewühl der Möchtegernnoblesse. Vier halbwüchsige Wesen der männlichen Gattung stehen in der so genannten "Herrenabteilung", die doch besser bezeichnet wäre mit "Sie kauft für ihn", und probieren dieses Pröbchen und jenes Düftlein. Mein anfänglich mitleidender Gedanke, die Armen hätten sich verirrt und streunen nun mutterlos durch diese Trostlosigkeit der von Feministinnen ersonnenen Hölle, auf der Suche nach einem Ausgang, springt schnell auf Verwunderung und Unverständnis.
Gekleidet in feinsten Kioskzwirn -will sagen: graue und blaue Jogginhosen, Kapuzenshirt, Baseballjacke und das Haupt gekrönt von viel zu großen Basecaps, die man mit dem Schild zur Seite trägt- tauschen die Vier nun also Fläschchen, Streifchen und Kaffeebehältnis zu Neutralisierung des verhunzten Geruchsinnes, um zu fachsimpeln und sich am Ende für das ein oder andere Parfüm zu entscheiden, als würden sie den ganzen Tag nichts andres machen. Nicht älter vierzehn Jahre, keine Haare am Sack und das Wort Ficken mit doppel "g" schreiben, aber teuere Düfte kaufen als seien sie DIE Männer von Welt. Insgeheim warte ich von nun ab auf das schrillende Geräusch der Magnetpassage am Ausgang, die jeden Diebstahl anzeigt und den Täter blamiert.
Ich folge weiter trottelig meiner Liebsten, die mir mit mitleidigem Blick zu sagen versucht: "Ich beeile mich" und freue mich, ob ihrer Erkenntnis, dass es mir hier unten alles andere als gut geht, gebe hier mein Urteil ab, sage da "das könnte passen" und erblicke drei junge Damen, die man eher noch als Mädchen bezeichnen kann, was ich allerdings allein an den noch kindlichen Augen herausfinde. Ich schätze sie auf dreizehn bis vierzehn Jahre, obschon man das heutzutage ja kaum noch treffend tun kann. Zugekleistert bis zur Unkenntlichkeit mit Schminke aller Art suchen sie ihr Alter zu vertuschen, damit sie alsbald in der Umkleidekabine vorm Sportunterricht von der letzten wochendlichen Rammelei berichten, anschließend die Schule schmeißen können und sich mütterlich der staatlich finanziellen Zuwendung erfreuen können.
Allein die gleichmäßigen, und nicht ferngesteuert wirkenden Bewegungen verraten, dass es sich hier um menschliche Wesen und nicht etwa Marionetten mit Porzellanpuppengesicht aus einem schlechten Horrorfilm handelt.
Eine dieser drei wie wilde Hühner schnatternden Möchtegernexpertinnen allerdings tut mir fast schon ein bisschen leid. Ich denke, sie ist das Alibipüppchen, das wohl in jeder derartigen Clique zu finden ist. Eine gibt es immer, die abgrundtief hässlich ist oder die Figur eines Vorderalpenmassives hat, damit der Rest der Weiberschar, auch nicht wirklich besser aussehend, zumindest einen Funken mehr Chancen bei der begrenzten Auswahl männlicher Pendants hat.
Eine dermaßen fette Wuchtbrumme wie dieses vor mir stehende Geschoß allerdings, habe ich selten gesehen. In so jungen Jahren schon so ein Koloss zu sein bringt automatisch den festen Willen mit sich, die Eltern wegen Körperverletzung und Lebensversauung zu verklagen. Ich bin geneigt, mich ihr zuzuwenden mit der maßregelnden Empfehlung "Du brauchst kein Deo, meine Gute, du brauchst einen Sportlehrer!" unterlasse es jedoch, ob meines Anstandes und gebe mich wieder meinem Weibe hin, das justament einen Geruch für sich entdeckt und ohne weitere Umschweife in das kleine Körbchen packt. Zwei kurze Stops noch auf dem Weg zur Kasse, und ich bin fürs erste erlöst. Sie zahlt, nimmt mich an der Hand und führt mich, dem Wahnsinn nahe, über die Rolltreppe nach draußen. Ein Blick auf die Uhr verrät, dass wir wirklich gar nicht all zu lange in diesem "Laden" verbrachten, sie ihr Versprechen, sich zu beeilen tatsächlich eingehalten hat, doch es wartet ja noch Lush auf mich.
Allerdings stellt sich heraus, dass in diesem Hippietempel mit überfreundlich grinsendem Verkaufspersonal nichts Gewolltes angepriesen wird und wir sind schneller aus dem Schuppen, als wir drin waren.
Starbucks. Sprichwörtliche Atempause. Inzwischen ist mein Kaffee kalt und ohne es zu wollen habe ich mich revanchiert, indem ich dies verfasse während die Holde sich, mir gegenüber sitzend, langweilt. Das schlechte Gewissen, das sie vorhin hatte, habe nun ich, aber es musste raus, was gesagt sein soll, bevor es sich im Strudel des bewussten Verdrängens verliert.
Nun steht noch TK Maxx an. Menschen, die sich ohne Rücksicht auf Verluste gegenseitig die Füße kaputt trampeln auf der Jagd nach Billigem. Menschen, die enge Gänge verstopfen und definitiv nicht vorher bei Douglas waren. Menschen, die in der Enge jener Gänge dünsten, schimpfen, Vordermann und Vorderfrau achtlos an Artikeln vorbeischieben, die eventuell interessant gewesen wären. Menschen, die wie die Geier um Kleiderständer, Regale und Warenkästen glucken, wühlen und zerren, giftig blicken und sabbernd auch noch das letzte Schnäppchen dem Anderen wegzerren, dabei höhnisch grinsen und weiterziehen. Menschen, die auch noch die billigste Ware an der Kasse versuchen, billiger zu feilschen. Menschen, die hoffentlich irgendwann einmal begreifen, dass sie Menschen sind...
Zurück am Bahnhof gibt sich das Zittern. Inzwischen sind Gerüche aus der Nase vertrieben, ist der Angstschweiß verdunstet und ich spüre meinen Magen wieder. Liebevoll kann ich nun meine Frau umarmen, stolz auf mich sein, ohne großes Murren diese Hölle überlebt zu haben. Stolz auf sie sein, dass sie weniger eine dieser Frauen ist, die allein in einem Laden so lange brauchen, wie wir in allen drein. Stolz auf uns beide, dass nicht Schimpf und Zank uns begleiteten, was ja nicht selten der Fall beim Pärcheneinkaufsbummelwahnsinn ist und natürlich erleichtert, froh darüber, unbeschadet diesen Nachmittag überstanden zu haben. So schleppe ich gern die Beutebeutel von Burger King zu Bahnsteig, durch überfüllte Abteile im Zug bis zu einem freien Platz, widme mich einem Buch und nehme mir vor, schnell zu vergessen, aber so schnell dennoch nicht wieder ein solches Versprechen abzugeben.
Was gibt es Schlimmeres für einen Mann, als das Versprechen abzugeben, mit der Holden Einkaufen zu gehen? Die Tatsache, dieses Versprechen einlösen zu müssen!
Abgesehen von den Tagen zwischen dem hochheilig abgegeben Versprechen und dem Zeitpunkt der Pflichterfüllung. Ängstlich zitternd und der Panikattacke nahe immer dann, wenn die werte Dame des Begehrs lächelnd den Raum betritt, man(n) mit ehrfürchtigem, aber unauffälligen Blick auf die Uhr im Bruchteil von Sekunden die Möglichkeiten ausrechnet, ob jetzt Tag X gekommen sein könnte, indem sie zum Sturm auf die Passagen bläst, lebt es sich wie auf Kohlen. Jedes freundlich gesprochene Wort, jeder liebreizende Blick in den Vor- und Nachmittagsstunden kann den Gau bedeuten und einerseits wartet man(n) darauf, dass es nun endlich passiert, damit die Zeit des Siechtums endlich ein Ende hat, andererseits jedoch schickt er Stoßgebete in alle Himmel, dass nicht ausgerechnet heute der Trip zum Schafott dem unterdrückten Frohsinn des Seins ein jähes Ende bereitet.
Mein Blick aus dem großen Panoramafenster des amerikanischen Kaffeehauses offeriert erinnernd die Vergangenen "Stunden". Dort prangt in großen, grünen Lettern der Name der Vorhölle: Douglas! Und als sei dem nicht genug, direkt nebenan, so, dass der männliche Delinquent seiner gerechten Strafe für alle Sünden die er je in seinem jämmerlichen Leben begangen hat, auch tatsächlich Buße tun kann: Lush!
Schon von weitem wird hier das Geruchserlebnis zur bösen Vorahnung, was gleich zu erwarten ist.
Wieder und wieder atme ich tief ein (auch, wenn es unschön ist) und wieder aus, um das Geruchschaos endlich aus meiner Nase zu bekommen.
Ich kann nicht sagen, dass ich mich nicht an warnende Erzählungen von Freunden, an Unkenrufe aus Funk und Fernsehen erinnerte, noch während ich meine Zusage erteilte, mich dem Einkaufswahnsinn anheim zu geben, doch es war zu spät, der Satz war gesprochen gleich einem Urteil, schlimmste Folter versprechend. Richter und Henker in einer Person.
Und so also kam der Tag, an dem ich reuen sollte, mit dem heutigen Erwachen. Strahlend und voller Vorfreude wurde ich von der Gattin in spe geweckt, und noch vor Kaffee und Morgenzigarette auf das Schlimm des heutigen Tages vorbereitet. Das "guten Morgen" des Satzes ging mit der Drohung unter, die mir verhieß: heute also ist es soweit. Wir werden in der Dresdener Innenstadt die Zeit unseres Zwangsaufenthaltes, zwischen Zug von Görlitz und Zug nach Leipzig nutzen, Gutscheine und Einkaufswut gegen Sachwert und Erschöpfung eintauschen.
Der Galgenfrist letzte Minuten sind also angebrochen. Das Frühstück mein Gnadenbrot und schweres Sitzen im Zug. Täusche ich mich, oder spricht die höhnische Stimme, die den Dresdner Hauptbahnhof ankündigt mit leichtem Echo und... war da nicht ein freches Lachen? Und wieso scheint die Sonne an diesem eigentlich angekündigten grau verregneten Wintertag so ironisch auf mich herab?
Wir gehen durch die Fußgängerzone. Sie hält meine Hand, wie der Pfaffe, der den letzten Weg bereitet. Ich warte auf die Frage: "Hast du noch etwas zu sagen?"
Da vorn. Noch fünfzig Meter, dort wartet die Guillotine. Zunächst erkenne ich nur den markanten Schriftzug und die diabolische Farbe. Zwanzig Meter. "Douglas" hämmert sich in meine Augen, meinen Kopf, der Fluchtinstinkt macht sich bemerkbar, aber ein Zurück gibt es nicht. Zehn Meter, der Hals schnürt sich allmählich zu, der Mund wird zunehmend trockener. Fünf Meter, alle Sinne fahren sich auf die nötigsten lebenserhaltenden Funktionen herunter. Drei Meter, Tunnelblick stellt sich ein.
Die Schwelle, das Grauen... oh Gevatter Tod, nimm schnell die Hand und bring mich fort!
Wir betreten also den Tempel des Grauens und ich stelle fest: Zwei Etagen. Der Kapitulation nahe denke ich "auch das noch" und füge mich endgültig meinem Schicksal. Mit einer halben Stunde habe ich gerechnet. Das verdoppelt sich nun, denn von zwei Etagen wusste ich nichts.
Doch zu meiner Überraschung ignoriert die Gute jene erste Etage und steuert, offensichtlich ein Ziel vor Augen, direkt die Rolltreppe in Richtung Unterwelt an. Ein Geruchsexplosion erwartet mich die, je tiefer uns die Fahrstufen in den Orkus bringen, immer intensiver wird. Tausend und Abertausende kleiner Fläschchen und Schächtelchen, Ampullen und Röhrchen zieren die Regale, so bunt, wie eine Spielzeugabteilung für Kinder bis sechs Jahre und so voll, als braucht halb Dresden ausgerechnet heute neues Parfum.
Dumm dreinschauend wie wohl jeder pantoffelheldenhafte Liebhaber folge ich der Wolke von fester Entschlossenheit, hier nicht mit leeren Händen raus zu gehen. Meine jetzt schon müden Augen bahnen sich einen taktischen Weg durch das Chaos und noch bevor ich feststellen soll, dass sie das zu Unnütz tun, weil Frau eher den Gesetzen des Instinktes, als denen der Taktik folgt, entdecke ich Interessantes im Gewühl der Möchtegernnoblesse. Vier halbwüchsige Wesen der männlichen Gattung stehen in der so genannten "Herrenabteilung", die doch besser bezeichnet wäre mit "Sie kauft für ihn", und probieren dieses Pröbchen und jenes Düftlein. Mein anfänglich mitleidender Gedanke, die Armen hätten sich verirrt und streunen nun mutterlos durch diese Trostlosigkeit der von Feministinnen ersonnenen Hölle, auf der Suche nach einem Ausgang, springt schnell auf Verwunderung und Unverständnis.
Gekleidet in feinsten Kioskzwirn -will sagen: graue und blaue Jogginhosen, Kapuzenshirt, Baseballjacke und das Haupt gekrönt von viel zu großen Basecaps, die man mit dem Schild zur Seite trägt- tauschen die Vier nun also Fläschchen, Streifchen und Kaffeebehältnis zu Neutralisierung des verhunzten Geruchsinnes, um zu fachsimpeln und sich am Ende für das ein oder andere Parfüm zu entscheiden, als würden sie den ganzen Tag nichts andres machen. Nicht älter vierzehn Jahre, keine Haare am Sack und das Wort Ficken mit doppel "g" schreiben, aber teuere Düfte kaufen als seien sie DIE Männer von Welt. Insgeheim warte ich von nun ab auf das schrillende Geräusch der Magnetpassage am Ausgang, die jeden Diebstahl anzeigt und den Täter blamiert.
Ich folge weiter trottelig meiner Liebsten, die mir mit mitleidigem Blick zu sagen versucht: "Ich beeile mich" und freue mich, ob ihrer Erkenntnis, dass es mir hier unten alles andere als gut geht, gebe hier mein Urteil ab, sage da "das könnte passen" und erblicke drei junge Damen, die man eher noch als Mädchen bezeichnen kann, was ich allerdings allein an den noch kindlichen Augen herausfinde. Ich schätze sie auf dreizehn bis vierzehn Jahre, obschon man das heutzutage ja kaum noch treffend tun kann. Zugekleistert bis zur Unkenntlichkeit mit Schminke aller Art suchen sie ihr Alter zu vertuschen, damit sie alsbald in der Umkleidekabine vorm Sportunterricht von der letzten wochendlichen Rammelei berichten, anschließend die Schule schmeißen können und sich mütterlich der staatlich finanziellen Zuwendung erfreuen können.
Allein die gleichmäßigen, und nicht ferngesteuert wirkenden Bewegungen verraten, dass es sich hier um menschliche Wesen und nicht etwa Marionetten mit Porzellanpuppengesicht aus einem schlechten Horrorfilm handelt.
Eine dieser drei wie wilde Hühner schnatternden Möchtegernexpertinnen allerdings tut mir fast schon ein bisschen leid. Ich denke, sie ist das Alibipüppchen, das wohl in jeder derartigen Clique zu finden ist. Eine gibt es immer, die abgrundtief hässlich ist oder die Figur eines Vorderalpenmassives hat, damit der Rest der Weiberschar, auch nicht wirklich besser aussehend, zumindest einen Funken mehr Chancen bei der begrenzten Auswahl männlicher Pendants hat.
Eine dermaßen fette Wuchtbrumme wie dieses vor mir stehende Geschoß allerdings, habe ich selten gesehen. In so jungen Jahren schon so ein Koloss zu sein bringt automatisch den festen Willen mit sich, die Eltern wegen Körperverletzung und Lebensversauung zu verklagen. Ich bin geneigt, mich ihr zuzuwenden mit der maßregelnden Empfehlung "Du brauchst kein Deo, meine Gute, du brauchst einen Sportlehrer!" unterlasse es jedoch, ob meines Anstandes und gebe mich wieder meinem Weibe hin, das justament einen Geruch für sich entdeckt und ohne weitere Umschweife in das kleine Körbchen packt. Zwei kurze Stops noch auf dem Weg zur Kasse, und ich bin fürs erste erlöst. Sie zahlt, nimmt mich an der Hand und führt mich, dem Wahnsinn nahe, über die Rolltreppe nach draußen. Ein Blick auf die Uhr verrät, dass wir wirklich gar nicht all zu lange in diesem "Laden" verbrachten, sie ihr Versprechen, sich zu beeilen tatsächlich eingehalten hat, doch es wartet ja noch Lush auf mich.
Allerdings stellt sich heraus, dass in diesem Hippietempel mit überfreundlich grinsendem Verkaufspersonal nichts Gewolltes angepriesen wird und wir sind schneller aus dem Schuppen, als wir drin waren.
Starbucks. Sprichwörtliche Atempause. Inzwischen ist mein Kaffee kalt und ohne es zu wollen habe ich mich revanchiert, indem ich dies verfasse während die Holde sich, mir gegenüber sitzend, langweilt. Das schlechte Gewissen, das sie vorhin hatte, habe nun ich, aber es musste raus, was gesagt sein soll, bevor es sich im Strudel des bewussten Verdrängens verliert.
Nun steht noch TK Maxx an. Menschen, die sich ohne Rücksicht auf Verluste gegenseitig die Füße kaputt trampeln auf der Jagd nach Billigem. Menschen, die enge Gänge verstopfen und definitiv nicht vorher bei Douglas waren. Menschen, die in der Enge jener Gänge dünsten, schimpfen, Vordermann und Vorderfrau achtlos an Artikeln vorbeischieben, die eventuell interessant gewesen wären. Menschen, die wie die Geier um Kleiderständer, Regale und Warenkästen glucken, wühlen und zerren, giftig blicken und sabbernd auch noch das letzte Schnäppchen dem Anderen wegzerren, dabei höhnisch grinsen und weiterziehen. Menschen, die auch noch die billigste Ware an der Kasse versuchen, billiger zu feilschen. Menschen, die hoffentlich irgendwann einmal begreifen, dass sie Menschen sind...
Zurück am Bahnhof gibt sich das Zittern. Inzwischen sind Gerüche aus der Nase vertrieben, ist der Angstschweiß verdunstet und ich spüre meinen Magen wieder. Liebevoll kann ich nun meine Frau umarmen, stolz auf mich sein, ohne großes Murren diese Hölle überlebt zu haben. Stolz auf sie sein, dass sie weniger eine dieser Frauen ist, die allein in einem Laden so lange brauchen, wie wir in allen drein. Stolz auf uns beide, dass nicht Schimpf und Zank uns begleiteten, was ja nicht selten der Fall beim Pärcheneinkaufsbummelwahnsinn ist und natürlich erleichtert, froh darüber, unbeschadet diesen Nachmittag überstanden zu haben. So schleppe ich gern die Beutebeutel von Burger King zu Bahnsteig, durch überfüllte Abteile im Zug bis zu einem freien Platz, widme mich einem Buch und nehme mir vor, schnell zu vergessen, aber so schnell dennoch nicht wieder ein solches Versprechen abzugeben.
Samstag, 31. Dezember 2011
Jahreswechsel
Brimborium Brimborium
des Wahnwitz feist Lakai geht um
Pyrotechnik, Alkohol
Narretei, das weiß man wohl
Raketen, Knaller, Batterien
auf dass die bösen Geister fliehen
die "wir" doch selbst heraufbeschwören
weil "wir" auf Gute auch nicht hören
Dazu den brauchgerechten Rausch
zelebriert zum Zahlentausch
Kalendarisch ist ein neues Ende
Der Anfang ohne eine Wende
Das greise Jahr kapituliert
Wo hats den Menschen hingeführt?
Klüger wurd' er wieder nicht
noch immer stets darauf erpicht...
...des Nachbarn Hab und Gut zu neiden
deshalb Verzicht korrekt zu meiden
Übertreffen - Übermaß
an Haus und Auto; Luxusfraß
Krieg, Verderben, nicht besinnen
Macht und Markt hoch hinter Zinnen
geifernd sich die Finger lecken
Derweil die Menschen drunt verrecken
Neues Jahr zweitausendzwölf
auf dass die Mutter uns nun helf
auf dass der Mensch doch bald erwacht
Und diesem Spiel ein Ende macht
Auf dass wir alle bald begreifen
wir müssen durch uns selber reifen
Geister und Natur erkennen
Das Fehl bei seinem Namen nennen:
Die Götter sind nur dem auch hold
der Respekt und Achtung zollt
Der Natur und Menschsein ehrt:
Der lebt nimmermehr verkehrt!
des Wahnwitz feist Lakai geht um
Pyrotechnik, Alkohol
Narretei, das weiß man wohl
Raketen, Knaller, Batterien
auf dass die bösen Geister fliehen
die "wir" doch selbst heraufbeschwören
weil "wir" auf Gute auch nicht hören
Dazu den brauchgerechten Rausch
zelebriert zum Zahlentausch
Kalendarisch ist ein neues Ende
Der Anfang ohne eine Wende
Das greise Jahr kapituliert
Wo hats den Menschen hingeführt?
Klüger wurd' er wieder nicht
noch immer stets darauf erpicht...
...des Nachbarn Hab und Gut zu neiden
deshalb Verzicht korrekt zu meiden
Übertreffen - Übermaß
an Haus und Auto; Luxusfraß
Krieg, Verderben, nicht besinnen
Macht und Markt hoch hinter Zinnen
geifernd sich die Finger lecken
Derweil die Menschen drunt verrecken
Neues Jahr zweitausendzwölf
auf dass die Mutter uns nun helf
auf dass der Mensch doch bald erwacht
Und diesem Spiel ein Ende macht
Auf dass wir alle bald begreifen
wir müssen durch uns selber reifen
Geister und Natur erkennen
Das Fehl bei seinem Namen nennen:
Die Götter sind nur dem auch hold
der Respekt und Achtung zollt
Der Natur und Menschsein ehrt:
Der lebt nimmermehr verkehrt!
Donnerstag, 7. April 2011
Menschen, Tiere und der Frühling römisch 2
Hatte ich da etwa den viel zu großen Rand, einen zweiten Teil von "Menschen, Tiere und der Frühling" zu versprechen? Gut war das nicht, denn nun sitze ich schon seit geraumer Zeit vor der weißen Seite und sinne nach Beginn und Ende, von der Mitte ganz zu schweigen und weiß verdammt noch eins nicht, wie ich das nun bewerkstelligen soll. Aber da es heißt "Versprochen ist versprochen und wird nicht gebrochen" -das zumindest würde meine Tochter jetzt sagen- und ich mir für dieses Jahr mehr vorbildliches Verhalten vorgenommen habe, muss es ja sein und also versuche ich, den Anschluss zu finden an das Grauen im Hallenser Zoo.
Ich könnte noch berichten von dem Verzicht auf Essen, trotz zweier, im Duett knurrender Mägen, die den anmutenden Raubkatzen vor ihrem Gehege sicherlich imponiert hätten, da sie dem Gebrüll der ihren in nichts nachstanden. Und das alles nur, weil wir uns nicht dem vor dem Imbiss eins A aufgestellt wartenden Mob anschließen wollten, das Kindsgebrüll und das der genervten Eltern zu ignorieren versuchend, denn es wäre mit Sicherheit schlicht beim Verusch geblieben, der in einem Nervenzusammenbruch gegipfelt wäre.
Vadder giftet Mudder an, weil er zu Gunsten der soeben mit Zicklein quälen beschaftigen Balges und seiner Zufriedenheit herstellenden Sättigung mittels Pommes und fadem Schnitzel auf sein Bier verzichten muss, da der staatsgespendete Klingelbeutel nur noch Essen für drei und die Bahnfahrt zurück in die Kate im Budget hat, Oma Horst stampft ihren ihm vom Schicksal zugemuteten Pantoffelheldenanhängsel verbal in den sandigen Boden, weil der wie immer ningelnd sich nicht entschieden kann, ob nun nur Fleisch oder eben auch die Pommes Frites aus dem ehemaligen Feindesland und seines Zeichens Herberge seiner Kriegsgefangenschaft -Belgien-, denn wo käme er hin, zuzugeben, dass ihm die Kartoffelstäbchen doch eigentlich ganz gut schmecken. Und zwischendrin immer die diktatorischen Befehlsrufe viel zu genervter Eltern, die es justament bereuen, "jemals Kinder in die Welt gesetzt zu haben".
Kaum eine Minute brauchte es zu entscheiden, das Essenfassen anderenorts zu erledigen, sprachen unseren Mägen -und uns ganz besonders- Mut zu und verließen den Hort der "es ist schönes Wetter und wir MÜSSEN ja etwas machen, ob wir wollen oder nicht" Meute.
In Richtung Ausgang schlenderten wir weniger, als dass wir zügig selbigen suchten, noch immer auf der Flucht vor Dschasssdn und Tschulieeeeeeeeen und schlimmer noch, deren Eltern, Großelter und älteren Geschwistern.
Sicher glaubten wir uns auf der Treppe vor dem Zoo, setzten uns, atmeten auf und zogen genüßlich an unseren Zigaretten. Gleich sollte auch die Bahn kommen, die uns endgültig vom Wahnsinn dieses Tummelplatzes allerlei dummer und aufdringlicher Menschen und Menschinnen befreit. Allerdings entschieden wir uns ganz schnell um, warteten dann doch auf die nächste Tram, denn die Mischung aus der Kelly Family und den Flodders schob sich drohend, brüllend und heulend an uns vorbei und fand an der Haltestelle ihr Zwischenziel. Verzweifelt und den Tränen nahe blieben wir also sitzen, betrachteten uns dann doch in viel zu dicke Menschen in viel zu engen Gewändern, den nächsten Schub schon jetzt die Faxen dicke habender Klein- und Großfamilien, die nun in Scharen das arme Getier in den Käfigen hinter uns heimzusuchen gedachten.
Die Zeit schlich und ein großes Aufatmen war, als unsere Bahn kam, die zu unserer Freude und Erleichterung eher leer blieb, uns nach Hause brachte, wo wir erschöpft in unser Bett fielen.
Mein Fazit an dieser Stelle lautet: gern nocheinmal Zoo in Halle, wenn aber, dann an einem verregneten Wochentag.
In diesem Sinne: Prost!
Ich könnte noch berichten von dem Verzicht auf Essen, trotz zweier, im Duett knurrender Mägen, die den anmutenden Raubkatzen vor ihrem Gehege sicherlich imponiert hätten, da sie dem Gebrüll der ihren in nichts nachstanden. Und das alles nur, weil wir uns nicht dem vor dem Imbiss eins A aufgestellt wartenden Mob anschließen wollten, das Kindsgebrüll und das der genervten Eltern zu ignorieren versuchend, denn es wäre mit Sicherheit schlicht beim Verusch geblieben, der in einem Nervenzusammenbruch gegipfelt wäre.
Vadder giftet Mudder an, weil er zu Gunsten der soeben mit Zicklein quälen beschaftigen Balges und seiner Zufriedenheit herstellenden Sättigung mittels Pommes und fadem Schnitzel auf sein Bier verzichten muss, da der staatsgespendete Klingelbeutel nur noch Essen für drei und die Bahnfahrt zurück in die Kate im Budget hat, Oma Horst stampft ihren ihm vom Schicksal zugemuteten Pantoffelheldenanhängsel verbal in den sandigen Boden, weil der wie immer ningelnd sich nicht entschieden kann, ob nun nur Fleisch oder eben auch die Pommes Frites aus dem ehemaligen Feindesland und seines Zeichens Herberge seiner Kriegsgefangenschaft -Belgien-, denn wo käme er hin, zuzugeben, dass ihm die Kartoffelstäbchen doch eigentlich ganz gut schmecken. Und zwischendrin immer die diktatorischen Befehlsrufe viel zu genervter Eltern, die es justament bereuen, "jemals Kinder in die Welt gesetzt zu haben".
Kaum eine Minute brauchte es zu entscheiden, das Essenfassen anderenorts zu erledigen, sprachen unseren Mägen -und uns ganz besonders- Mut zu und verließen den Hort der "es ist schönes Wetter und wir MÜSSEN ja etwas machen, ob wir wollen oder nicht" Meute.
In Richtung Ausgang schlenderten wir weniger, als dass wir zügig selbigen suchten, noch immer auf der Flucht vor Dschasssdn und Tschulieeeeeeeeen und schlimmer noch, deren Eltern, Großelter und älteren Geschwistern.
Sicher glaubten wir uns auf der Treppe vor dem Zoo, setzten uns, atmeten auf und zogen genüßlich an unseren Zigaretten. Gleich sollte auch die Bahn kommen, die uns endgültig vom Wahnsinn dieses Tummelplatzes allerlei dummer und aufdringlicher Menschen und Menschinnen befreit. Allerdings entschieden wir uns ganz schnell um, warteten dann doch auf die nächste Tram, denn die Mischung aus der Kelly Family und den Flodders schob sich drohend, brüllend und heulend an uns vorbei und fand an der Haltestelle ihr Zwischenziel. Verzweifelt und den Tränen nahe blieben wir also sitzen, betrachteten uns dann doch in viel zu dicke Menschen in viel zu engen Gewändern, den nächsten Schub schon jetzt die Faxen dicke habender Klein- und Großfamilien, die nun in Scharen das arme Getier in den Käfigen hinter uns heimzusuchen gedachten.
Die Zeit schlich und ein großes Aufatmen war, als unsere Bahn kam, die zu unserer Freude und Erleichterung eher leer blieb, uns nach Hause brachte, wo wir erschöpft in unser Bett fielen.
Mein Fazit an dieser Stelle lautet: gern nocheinmal Zoo in Halle, wenn aber, dann an einem verregneten Wochentag.
In diesem Sinne: Prost!
Mittwoch, 6. April 2011
Menschen, Tiere und der Frühling
Menschen, Tiere und der Frühling
Der Frühling kündigt sich an in diesen Tagen. Und das tut er so ausgezeichnet, dass man fast geneigt ist, zu vergessen, wie lang und kalt der Winter war. Als ich am vergangenen Wochenende dem warmen Wetter nur in Shirt und Hemd gekleidet, der Sonne frönte, fiel es schwer, mir in Erinnerung zu rufen, dass noch vor zwei Wochen Minusgrade eine derartige Bekleidung den Aufenthalt an der so genannten frischen Luft arg unangenehm gemacht und zu schweren grippalen Infekten geführt hätten.
Da ist es kein Wunder, dass die werte Dame an meiner Seite und ich nicht die einzigen waren, die auf die Idee kamen, das schwer verdiente Geld sinnvoll zu investieren, indem wir uns eine Eintrittskarte für den Hallenser Zoo leisteten, um dort Wetter, Sonne und morgendliche Wärme gemeinsam mit allerhand Getier zu genießen.
Wofür wir allerdings am Ende wirklich Eintritt zahlten, wurde uns mit fortschreitender Zeit immer schleierhafter und es fiel zunehmend schwerer, die eigentlichen lebendigen "Exponate" hinter den Scheiben und Gittern, Mauern und Volieren von denen zu unterscheiden, die sich auf den Wegen und Plätzen davor tummelten. Ich wusste zeitweise wirklich nicht, wem mein betrachtendes Interesse mehr galt und wem es mehr Geltung zu schenken hieß.
Da haben wir uns schon kluger Weise recht früh aufgemacht, nicht in den Trubel des Pöbels zu gelangen, waren in den späten Morgenstunden bereits am Einlass und sahen uns mit nur wenig Exemplaren des menschlichen Mobs konfrontiert, atmeten auf und freuten uns ob dieser Tatsache. Doch wie sagte einst ein kluger Mensch? Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben! Und es musste nicht erst Abend werden, festzustellen, dass dieser Spruch eine elendige Richtigkeit innehat.
Noch relativ ruhig ging es zunächst vorbei an beschuppten Lebewesen, die direkt neben mir, nicht getrennt durch Glas und Gitter, ich lieber nicht wähnen mag. Krokodile und Alligatoren lagen, wo sie lagen, störten sich weder an Kindsgebrüll noch daran, ständig begafft zu werden.
Und plötzlich, als hätte jemand einen Schalter umgelegt, begann das Grauen. Eine mittlere Großfamilie betrat das Tropenhaus. Eine der Sorte, die man schon weitem hört und der Fluchtinstinkt sich sofort einstellt. Eine der Sorte, denen man ansieht, dass es hier mit Intellekt nicht weit her ist und die auch die dritte Generation eher geistig sparsam erzieht.
Ein Beben und Grollen durchfuhr die feuchtwarme Idylle und der Wahnsinn nahm seinen Lauf. Lautstark wurden Kinder in einem fort zur Raison gerufen, was ohnehin nicht viel nützte, denn die indirekt antiautoritäre Erziehung erlaubt es dem kindlichen Individuum nicht, dem, was Mutti und Vati, Omi und Opi da schreiend befehlen, Folge zu leisten.
Indirekt antiautoritär deshalb, weil zwar in militantem Rufton alles diktiert aber das Zuwiderhandeln konsequenzlos bleibt, sehen wir davon ab, dass der Geräuschpegel sich in Unermessliches zu heben vermag, beim Auftun der Dekrete.
Modische Namen wie Justin oder Jouline, die der gemeine Sachse auszusprechen eher unvermögend ist, bekommen dann einen ganz besonderen Klang, wenn es aggressiv gebrüllt zum Beispiel heißt: "Dschassssssdnnnn... geh weg von das Geländer, da sinn Grogodiläääää!" oder "Tschuulien, wennde jetzä nich uffhörst midd dänn Gequägle, griggsde noachn gee Eis!"
Mir dreht sich der Magen um und wir beschließen, das Betrachten der Reptilien vorerst bleiben zu lassen, obschon ich schon neugierig bin, ob der ningelnde Rotzlöffel nicht doch beim Versuch, sich über das Geländer zu lehnen, vorn übergestürzt dem Tierpfleger die Fütterarbeit für heute abnehmen konnte.
Aber auch gestandene Erwachsene vermögen es, dummes Zeug zu reden, als gäbs kein Morgen. Mit dem Wissen -eigentlich... sofern man ein gewisses Denkvermögen voraus setzt- sich gehörig zum Vollhorst zu machen, stehen da der Menschen vier, gut gekleidet und augenscheinlich nicht zur Gattung der Dummen gehörend, vor der Raubvogelvoliere und beäugen fasziniert den Geier, der sich da über das ihm soeben kredenzte Stück Fleisch hermacht.
Sie, etwa Mitte Zwanzig, im Arm einer Freundin selben Alters, findet den "stabilen Stand" des Vogels äußerst imposant. "Kuck doch mal, wie stabil der da steht. Der hat wirklich einen stabilen Stand. Das kommt auch so aus der Hüfte!" weiß sie zu erklären und schwenkt dabei die ihre als hätte sie jüngst einen Bauchtanzkurs für Anfänger absolviert. "Jaha, meint Mutti, oder Schwiegermutti, oder was auch immer "das stimmt. Ich mag ja eigentlich Geier, aber die Hälse finde ich eklig!" Na wie bitte? Die gute Frau ist Mitte-Ende sechzig und ich frage mich, wann sie das letzte Mal vor einem Spiegel stehend, sich kopfabwärts betrachtet hat?! Da ist der Hals dieses Geiers, ja, jeder Truthahnhals eine Augenweide dagegen. Aber Mensch hasst ja bekanntlich oftmals das an anderen Individuen am meisten, was ihn selbst an sich stört.
Erneut donnert und grollt es und Familie Harzt IV schiebt sich, Dschasssdnn und Tschuuulien als Spähtrupp, schreiend und aggressiver als noch eben, an uns vorbei. Mir will das Stück Apfel im Hals stecken bleiben, auf dass es bald vorbei sei, aber ich besinne mich, schlucke bitter und ungekaut, versuche wegzusehen, wegzuhören und an etwas Schönes zu denken.
Immer wieder begegnet uns diese Familie und auch, wenn wir grundsätzlich die entgegengesetzte Richtung einschlagen, sie scheinen sich einen Spaß daraus zu machen, uns auch den letzten Nerv zu rauben.
In Sicherheit brachten wir uns dann vorerst auf der Treppe vor der großen Glasscheibe, durch die man den Robben beim Toben unter Wasser zuschauen kann. Wir ließen uns nieder, ich drehte mir eine Zigarette und wollte gerade die Ruhe genießen, die wir uns schwer und panisch flüchtend verdient hatten, als sich die Sonne, die mir den Rücken wärmend beschien, verdunkelte, als kündige sich schon jetzt die doch erst für 2012 angekündigte Apokalypse an und eine bebende Stimme dem treppab rollenden menschlichen Pfannkuchen von etwa 12 Jahren in feinstem sächsisch drohte: "Wenn de jetzä nich bald wordesd, drehmor um unn gehn wiedor heeme!"
"Aber Muddie, die gommen doch nich raus!" verteidigt sich das Kind, ich drehe mich um und sehe eine Masse von Mensch, dass ich mich frage, seit wann Wale sächsisch sprechen, überlege, ob ich das Meeressäugerbecken vielleicht nicht doch übersehen habe und warum um Gottes Willen dieses arme Wesen keiner rettet und zurück ins Salzwasserbassin verfrachtet.
Also erneut flüchten, vorbei am Imbiss und den Scharen hungriger, gestresster Eltern, die in feinster Ossi-Tradition Schlange stehen, um sich und ihren Bälgern Pommes rot-weiß mit einem Zuden Fleisch zu erstehen, die Jüngsten dabei beobachtend, wie sie im Streichelzoo in direkter Nachbarschaft Schaf und Ziege quälen, vorbei an Familie Hartz IV und den nun noch nerviger quengelnden Plagen Dschasssdn und Tschuuulien, vorbei an Geierhals und Bauchtanzschülerin in Richtung rettendem Ausgang.
Der Zoo in Halle, an einem Samstagmorgen im warmen Lenz. Weniger idyllisch, aber seinen Eintrittspreis wert!
In diesem Sinne: Prost!
Der Frühling kündigt sich an in diesen Tagen. Und das tut er so ausgezeichnet, dass man fast geneigt ist, zu vergessen, wie lang und kalt der Winter war. Als ich am vergangenen Wochenende dem warmen Wetter nur in Shirt und Hemd gekleidet, der Sonne frönte, fiel es schwer, mir in Erinnerung zu rufen, dass noch vor zwei Wochen Minusgrade eine derartige Bekleidung den Aufenthalt an der so genannten frischen Luft arg unangenehm gemacht und zu schweren grippalen Infekten geführt hätten.
Da ist es kein Wunder, dass die werte Dame an meiner Seite und ich nicht die einzigen waren, die auf die Idee kamen, das schwer verdiente Geld sinnvoll zu investieren, indem wir uns eine Eintrittskarte für den Hallenser Zoo leisteten, um dort Wetter, Sonne und morgendliche Wärme gemeinsam mit allerhand Getier zu genießen.
Wofür wir allerdings am Ende wirklich Eintritt zahlten, wurde uns mit fortschreitender Zeit immer schleierhafter und es fiel zunehmend schwerer, die eigentlichen lebendigen "Exponate" hinter den Scheiben und Gittern, Mauern und Volieren von denen zu unterscheiden, die sich auf den Wegen und Plätzen davor tummelten. Ich wusste zeitweise wirklich nicht, wem mein betrachtendes Interesse mehr galt und wem es mehr Geltung zu schenken hieß.
Da haben wir uns schon kluger Weise recht früh aufgemacht, nicht in den Trubel des Pöbels zu gelangen, waren in den späten Morgenstunden bereits am Einlass und sahen uns mit nur wenig Exemplaren des menschlichen Mobs konfrontiert, atmeten auf und freuten uns ob dieser Tatsache. Doch wie sagte einst ein kluger Mensch? Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben! Und es musste nicht erst Abend werden, festzustellen, dass dieser Spruch eine elendige Richtigkeit innehat.
Noch relativ ruhig ging es zunächst vorbei an beschuppten Lebewesen, die direkt neben mir, nicht getrennt durch Glas und Gitter, ich lieber nicht wähnen mag. Krokodile und Alligatoren lagen, wo sie lagen, störten sich weder an Kindsgebrüll noch daran, ständig begafft zu werden.
Und plötzlich, als hätte jemand einen Schalter umgelegt, begann das Grauen. Eine mittlere Großfamilie betrat das Tropenhaus. Eine der Sorte, die man schon weitem hört und der Fluchtinstinkt sich sofort einstellt. Eine der Sorte, denen man ansieht, dass es hier mit Intellekt nicht weit her ist und die auch die dritte Generation eher geistig sparsam erzieht.
Ein Beben und Grollen durchfuhr die feuchtwarme Idylle und der Wahnsinn nahm seinen Lauf. Lautstark wurden Kinder in einem fort zur Raison gerufen, was ohnehin nicht viel nützte, denn die indirekt antiautoritäre Erziehung erlaubt es dem kindlichen Individuum nicht, dem, was Mutti und Vati, Omi und Opi da schreiend befehlen, Folge zu leisten.
Indirekt antiautoritär deshalb, weil zwar in militantem Rufton alles diktiert aber das Zuwiderhandeln konsequenzlos bleibt, sehen wir davon ab, dass der Geräuschpegel sich in Unermessliches zu heben vermag, beim Auftun der Dekrete.
Modische Namen wie Justin oder Jouline, die der gemeine Sachse auszusprechen eher unvermögend ist, bekommen dann einen ganz besonderen Klang, wenn es aggressiv gebrüllt zum Beispiel heißt: "Dschassssssdnnnn... geh weg von das Geländer, da sinn Grogodiläääää!" oder "Tschuulien, wennde jetzä nich uffhörst midd dänn Gequägle, griggsde noachn gee Eis!"
Mir dreht sich der Magen um und wir beschließen, das Betrachten der Reptilien vorerst bleiben zu lassen, obschon ich schon neugierig bin, ob der ningelnde Rotzlöffel nicht doch beim Versuch, sich über das Geländer zu lehnen, vorn übergestürzt dem Tierpfleger die Fütterarbeit für heute abnehmen konnte.
Aber auch gestandene Erwachsene vermögen es, dummes Zeug zu reden, als gäbs kein Morgen. Mit dem Wissen -eigentlich... sofern man ein gewisses Denkvermögen voraus setzt- sich gehörig zum Vollhorst zu machen, stehen da der Menschen vier, gut gekleidet und augenscheinlich nicht zur Gattung der Dummen gehörend, vor der Raubvogelvoliere und beäugen fasziniert den Geier, der sich da über das ihm soeben kredenzte Stück Fleisch hermacht.
Sie, etwa Mitte Zwanzig, im Arm einer Freundin selben Alters, findet den "stabilen Stand" des Vogels äußerst imposant. "Kuck doch mal, wie stabil der da steht. Der hat wirklich einen stabilen Stand. Das kommt auch so aus der Hüfte!" weiß sie zu erklären und schwenkt dabei die ihre als hätte sie jüngst einen Bauchtanzkurs für Anfänger absolviert. "Jaha, meint Mutti, oder Schwiegermutti, oder was auch immer "das stimmt. Ich mag ja eigentlich Geier, aber die Hälse finde ich eklig!" Na wie bitte? Die gute Frau ist Mitte-Ende sechzig und ich frage mich, wann sie das letzte Mal vor einem Spiegel stehend, sich kopfabwärts betrachtet hat?! Da ist der Hals dieses Geiers, ja, jeder Truthahnhals eine Augenweide dagegen. Aber Mensch hasst ja bekanntlich oftmals das an anderen Individuen am meisten, was ihn selbst an sich stört.
Erneut donnert und grollt es und Familie Harzt IV schiebt sich, Dschasssdnn und Tschuuulien als Spähtrupp, schreiend und aggressiver als noch eben, an uns vorbei. Mir will das Stück Apfel im Hals stecken bleiben, auf dass es bald vorbei sei, aber ich besinne mich, schlucke bitter und ungekaut, versuche wegzusehen, wegzuhören und an etwas Schönes zu denken.
Immer wieder begegnet uns diese Familie und auch, wenn wir grundsätzlich die entgegengesetzte Richtung einschlagen, sie scheinen sich einen Spaß daraus zu machen, uns auch den letzten Nerv zu rauben.
In Sicherheit brachten wir uns dann vorerst auf der Treppe vor der großen Glasscheibe, durch die man den Robben beim Toben unter Wasser zuschauen kann. Wir ließen uns nieder, ich drehte mir eine Zigarette und wollte gerade die Ruhe genießen, die wir uns schwer und panisch flüchtend verdient hatten, als sich die Sonne, die mir den Rücken wärmend beschien, verdunkelte, als kündige sich schon jetzt die doch erst für 2012 angekündigte Apokalypse an und eine bebende Stimme dem treppab rollenden menschlichen Pfannkuchen von etwa 12 Jahren in feinstem sächsisch drohte: "Wenn de jetzä nich bald wordesd, drehmor um unn gehn wiedor heeme!"
"Aber Muddie, die gommen doch nich raus!" verteidigt sich das Kind, ich drehe mich um und sehe eine Masse von Mensch, dass ich mich frage, seit wann Wale sächsisch sprechen, überlege, ob ich das Meeressäugerbecken vielleicht nicht doch übersehen habe und warum um Gottes Willen dieses arme Wesen keiner rettet und zurück ins Salzwasserbassin verfrachtet.
Also erneut flüchten, vorbei am Imbiss und den Scharen hungriger, gestresster Eltern, die in feinster Ossi-Tradition Schlange stehen, um sich und ihren Bälgern Pommes rot-weiß mit einem Zuden Fleisch zu erstehen, die Jüngsten dabei beobachtend, wie sie im Streichelzoo in direkter Nachbarschaft Schaf und Ziege quälen, vorbei an Familie Hartz IV und den nun noch nerviger quengelnden Plagen Dschasssdn und Tschuuulien, vorbei an Geierhals und Bauchtanzschülerin in Richtung rettendem Ausgang.
Der Zoo in Halle, an einem Samstagmorgen im warmen Lenz. Weniger idyllisch, aber seinen Eintrittspreis wert!
In diesem Sinne: Prost!
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