Manchmal frag ich mich nach der eigentlichen Wichtigkeit dessen, was uns während unseres Atmens begleitet. Lange war ich ein Feind, ein militanter Gegner der Formel "Arbeit-Leben-Zukunft", denn Ersteres beschreibt nicht den zweiten Begriff, definiert ihn nur absurd auf das Minimum dessen herab und Zukunft war noch nie etwas, auf das ich gesehen habe, bei Entscheid und Bewertung der jeweils jetzigen Situationen. Und da Zukunft ohnehin nur ein Konstrukt aus einer Aneinanderreihung unendlicher "Jetzt-Momente" ist,die kommen werden und schnell gegangen sind, ist und war für mich das Beschränken auf das Jetzt von eherer Relevanz. Gedanken und Beschäftigungen in und an die Zukunft sind Zeitverschwendung.
Inzwischen befinde ich mich in einem Zwispalt und habe über diesen zumindest die Militanz meiner Ansichten diesbezüglich abgelegt. Denn inzwischen gehe ich einer regelmäßigen Arbeit nach und fühle mich, auf seltsame Art und Weise mit dem "Betrieb" verbunden, und noch viel mehr: Ich habe eine Art Verantwortung entwickelt, allerdings ohne es zu merken. Sie war auf einmal da und nun, da ich vor einer Entscheidung stehe, schaufelt diese kiloweise Schwarz in mein Gewissen. Seit Wochen kränkel ich, habe darüber hinweg gesehen und mich dennoch zur Arbeit überredet. Wie das aber meist so ist, gerade im Winter, und gerade dann, wenn man vom Arbeiten schwitzt und aber in der Kälte schafft, bricht irgendwann die Grippe unweigerlich aus. Und da haben wir den Salat.
Sollte ich nun also des Arztes Worte befolgen, mich zur Ruhe legen und eine Woche lang nichts tun, als Tee trinkend, Zwiback essend das Bett hüten, oder Arzt und Körper ignorieren, und so einer eventuellen Kündigung aus dem Wege gehen, denn in der Probezeit, das ist allgemeinhin bekannt, braucht es keinen Grund, gefeuert zu werden.
Zudem steht die Entrümpellung meiner noch-Wohnung an, die in dieser Woche zu Ende gebracht werden muss, da morgen in sieben Tagen, wie an anderer Stelle schon einmal erwähnt, die Vermieterschaft auf der Schwelle tritt und natürlich das Ziel hat, die Kaution einzubehalten. Es muss also -logisch- alles pikopello sein, wie man so schön sagt.
Da sitz ich nun, ich armer Tor, und komm mir ganz schön dämlich vor, um mal mit den abgewandelten Worten Goethes zu sprechen. Was tu ich nur? Krank machen, weil ich krank bin und trotzdem Arbeiten, weil das Private ja auch seiner Klärung bedarf,oder die Wohnungssache in unzuverlässige Hände eines ehemaligen Mitbewohners legen und dafür den Jobgarant behalten?
Verdammt verzwickt das Ganze. Noch vor einem Jahr wäre all das gar keine Frage gewesen.
Wunderliche Wege geht das Leben mit einem Prinzipienreiter, dessen Prinzipien aus vagen, einer gewissen undisziplinierten Lebenshaltung entsprungenen Halbherzigkeit gebaut sind. Und keine Antwort in Sicht.
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