Der Tag kracht mittäglich ins Gebälk und aufgeschreckt vom Gedanken zu spät zu sein, besinne ich mich. Ich muss ja gar nicht zur Arbeit. Sonntags bleibt das diversen Dienstleistern, Ärzten, Pflegern, Hoteliers und anderen vorbehalten. Nicht zu vergessen mein Pizzadealer direkt gegenüber. Der steht schon fleißig am Ofen und schwitzt sich den Sarap von gestern Nacht wieder raus.
Dennoch fällt das Aufstehen schwer. Sonntage sind wie schales Bier. Es steht und steht und keiner wagt, sich dessen zu bedienen.
Und weil Sonntage irgendwie immer öd und langweilig sind, sich kaum gestalten lassen und vor allem dann nicht, wenn herbstlich- oder winterlich graues Wetter ein gemütliches Flanieren auf den Straßen beinahe unmöglich machen, halte ich diesen Tag der Woche für den überflüssigsten.
Kaum den Satz gedacht, sehe ich die peitschenschwingende Arbeiterschaft, fest der Überzeugung, ich will ihnen den heiligen Ruhetag abspenstig machen, aber weit gefehlt. Wenn es nach mir ginge, wäre immer Sonntag, zumindest insofern, als dass man zu Recht zu Hause bleiben kann. Dann nämlich würde er nicht so herausstechen und man würde schnell merken, dass jeder für sich selbst verantwortlich ist, denn wo keiner arbeitet, wird auch nix hergestellt, nix produziert und verkauft. Keiner Wird behandelt, beschützt und beliefert. Kein Strom, kein Wasser, keine Heizung! Ei der Dautz, das wäre ein Fest, nicht? Wenn alles hier zusammenbricht?! Darwin hätte seine helle Freude an den Beobachtungen!
Ich schweife ab.
Denn worauf ich hinaus wollte, ist der Gedanke, an den öden Sonntag und das noch ödere Verleben desselben. Und wie ich so darüber nachdenke, fällt mir schnell die Logik ein, dass eben dieser Sonntag mit Sicherheit der Tag ist, an dem die meisten Selbstmorde verübt werden. Zumindest in den so genannten zivilisierten Ländern –die, nebenbei bemerkt, so zivilisiert gar nicht sind.
Nun macht das Aufstehen doch Spaß, denn ich habe eine Mission:
-Beweise diesen theoretischen Gedanken!
Also rinn inne Pantoffeln, Hygienepflichten abhaken, Rechner an und los geht’s.
Zunächst finde ich allerhand wissenswertes, und weniger wissenswertes zum Thema Suizid. Dass die Rate statistisch zurückging, im Laufe der letzten zehn Jahre, dass alle siebenundvierzig Minuten in Deutschland ein Mensch seinem Leben ein Ende bereitet. Alle vier Sekunden findet weltweit ein Suizidversuch statt.
Aber eine Statistik des Verhältnisses Wochentag zu Selbstmord fand ich zunächst nicht.
Indes stieß ich auf Listen berühmter Persönlichkeiten, die den Freitod wählten, weiß jetzt, was der „Werther Effekt“ ist und dass Erhängen die am häufigsten angewandte Methode ist.
Dank meiner „Adjutantin“ für Recherche, Hard- und Softwareprobleme wurde ich dann doch noch fündig. (ein Hoch auf D.S.)
Und siehe da. Ich hatte sowas von unrecht! Zu meiner Verwunderung sind es nämlich nicht die Sonntage, die den Menschen zur resignativen Endgültigkeit treiben. Auch nicht die Montage, was ja noch nachvollziehbar gewesen wäre. „Scheiße, wieder auf Arbeit. Wieder die ganzen Fressen. Und wieder den dämlichen Chef freundlich grüßen.“
Auch am Samstag wird nicht übermäßig, weil vielleicht zu viel getrunken, selbstgemordet.
Es ist der Mittwoch, an dem am häufigsten zu Seil, Gift, Rasierklinge und Co gegriffen wird. Warum? Eine wissenschaftliche Erklärung hierfür gibt es nicht. Fest steht nur, dass der untypischste Tag der Woche herhalten muss, eine solch grausame Statistik anzuführen. (Graphik und Artikel dazu :http://www.forum-gesundheitspolitik.de/artikel/artikel.pl?artikel=1602)
Auch sind es nicht, wie gedacht, die Wintermonate, in denen sich die Menschen gern umbringen, sondern der Frühling und der Sommer. Komisch nicht wahr?
Trotzdem bleibt der Sonntag für mich der deprimierenste Tag der Woche. Und weil das so ist, erinnere ich an den Churchillschen Satz, keiner Statistik zu glauben, die man nicht selbst gefälscht hat.
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